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Heinrich Wilhelm von Gerstenberg: Die Klavierspielerin (Phyllis an das Klavier)

Bestes, trautes Klavier,
Schalle, schalle
Lauter Liebe!
Lauter süße Liebe
Sei dein schmelzendes Saitenspiel!

Denn ich fühl es, ich fühl's,
Dieser Busen Schmilzt vor Liebe;
Ach! Wie wallt, wie wallt er,
Des verschwiegnen Bewußtseins voll!

Aber, Theon, du weinst,
Nennst mich kälter
Als das Eismeer:
Und, Grausamer, siehst nicht,
Wie ich zittre, dich anzusehn!

Wie die Wange mir glüht!
Und die Stimme
Itzt dahinstirbt;
Und der Finger bebend
In die Töne hinüberfliegt.

Weh mir! Wenn er nun kommt!
Und nun sprachlos
Horcht und seufzet,
Und nun meine Seele
Ganz im Feuer der Liebe strömt!

Welchen leisesten Ton
Soll ich, Himmel!
Soll ich wählen,
Der doch ganz ihm sage:
Bester Jüngling, ich liebe dich!

Ach! Die Wange wird glühn,
Und die Stimme
Wird verstummen
Und der Finger bebend
In die Töne hinüberfliehn;

Und der silberne Laut,
Zittern wird er
Auf der Saite,
Noch ersterbend sagen:
Bester Jüngling, ich liebe dich!