Home | Impressum
KölnKlavier · Themen
zurück · Übersicht

Peter Hacks: Mozart auf der Reise nach Paris

Lieber Mozart, ich bin froh,
Etwas für Sie tun zu können,
Die Duchesse will von Chabot
Ihnen einen Abend gönnen.
Sie ist klug und hat ein Ohr,
Spieln Sie ihr was Schönes vor.

Die Chabot, sagte Grimm,
Sie ist wirklich nicht so schlimm
Wie die andern reichen Krähen,
Die so gar nichts von Musik verstehen.

Ach, ich ginge gar nicht hin,
Wäre nicht der Scheiß der Schulden.
Wer ist diese Herzogin?
Der Fiaker nimmt vier Gulden.
Und man spielt sich dumm und tot
Für ein kaltes Abendbrot.

Aber gut, lieber Grimm,
Wenn dir einer gibt, dann nimm.
Gut, gut, gut, wir werden sehen,
Was Frau Durchlaucht von Musik verstehen.

Von perlmuttnen Brüsten her
Sprühte Diamantenfeuer.
Leider, der Kamin war leer,
Auch der Flügel war kein neuer.
Schrecklich knarrte das Pedal
In dem ungeheizten Saal.

Sähen Sie, lieber Grimm,
Diese nackten Weiber im
Kreise um den Whisttisch thronen,
Spieln mal Sie die Fischer-Variationen!

Hams kein besseres Klavier?
No, dann spiel i eben hier.
Hams net zwoa, drei Buchenscheiter?
No, dann spiel i eben weiter.
Meine Finger san so klamm,
Krieg kaum a Oktavn zsamm.

Glaubn das Sie, lieber Grimm,
Daß i hier den Ruhm erklimm?
Und der Dank für die Tortur?
Eine goldne Taschenuhr.

Dieser Motzert oder so,
Der, den Sie mir neulich schickten,
Der gehört, sprach die Chabot,
Wieder zu den ganz Verrückten.
Er ist fabelhaft begabt,
Aber hat den Bock gehabt.

Kunst ist Kunst, lieber Grimm,
Doch die Künstler, die sind schlimm,
Die den Preis von einer Uhr nicht sehen
Und so gar nichts von dem Publikum verstehen.