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H. Stuhl: Musik und Kostenmanagement

Der Vorstandschef eines großen Unternehmens überläßt seinem Controller die Einladung zu einem Konzert. Aufgeführt werden soll Schuberts Unvollendete. Auf die Frage des Vorstandschefs am nächsten Tag: "Wie hat Ihnen das Konzert gefallen?" sagt der Controller ihm einen schriftlichen Bericht zu. Der Bericht ging einen Tag später ein. Sein Inhalt:

  1. Die vier Oboisten hatten über einen längeren Zeitraum nichts zu tun. Ihre Anzahl sollte deshalb gekürzt, ihre Aufgaben auf das gesamte Orchester verteilt werden. Dadurch können Arbeitsspitzen vermieden werden.

  2. Die zwölf Geiger spielten alle die gleichen Noten. Die Anzahl der Mitarbeiter in diesem Bereich sollte daher drastisch gekürzt werden. Sollte hier tatsächlich eine große Lautstärke erforderlich sein, kann das auch mit einem elektronischen Verstärker erreicht werden.

  3. Das Spielen von Viertelnoten erfordert einen hohen Aufwand. Dies scheint mir eine übertriebene Verfeinerung. ich empfehle daher, alle Noten auf die nächstliegende halbe aufzurunden. Dann können dafür Studenten und Mitarbeiter mit geringen Qualitäten eingesetzt werden.

  4. Wenig sinnvoll ist es, daß die Hornisten Passagen wiederholen, die die Streicher bereits gespielt haben. Würden derlei überflüssige Passagen gestrichen, könnte das Konzert von zwei Stunden auf zwanzig Minuten gekürzt werden.

  5. Hätte Schubert dies alles beachtet, dann hätte er ohne Zweifel seine Sinfonie beenden können.

Quelle:
Zitat aus einer Rede, die der Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung, Helmut Stuhl, zum Jubiläum eines Boehringer Werkes in Mannheim hielt.