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Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Abzug

<47> Das Anschleifen eines Vorschlages von bestimmter Dauer an die Hauptnote, die mit schwächerm Tone vorgetragen wird, nennet man den Abzug. Eigentlich verstehet man darunter die Art, wie bey der dem Vorschlage nachfolgenden Hauptnote bey Bogeninstrumenten der Bogen, oder bey Clavierinstrumenten der Finger, abgehoben wird. In Ansehung des mehr oder minder Merklichen dieses Abzuges sind die Meinungen getheilt. Reichardt in seinem Werkchen: Ueber die Pflichten der Ripien-Violonisten, erinnert auf der 41sten Seite hierüber folgendes:

"Der Vorschlag von bestimmter Dauer bekommt allemal einen stärkern Druck des Bogens als seine Note selbst. Es ist aber falsch, wenn die Note nach einem Vorschlage deshalb allemal abgezogen wird. Man kann hierinnen die Abzüge in den uneigentlichen und eigentlichen Abzug abtheilen. Der uneigentliche Abzug besteht darinnen, daß der Bogen1 schwächer fortfährt, aber auch wohl auf der Saite ruhen bleibt, und kommt jeder Note zu, die einen Vorschlag hat. der eigentliche Abzug bestehet darinnen, daß der Bogen völlig von der Saite gehoben wird, so bald die Note nur schwach gehört worden, und kommt jeder Note mit einem Vorschlage zu, der eine Pause folgt. Das Abheben des Bogens kommt jeder Note, der eine Pause folgt, zu, nur mit dem Unterschiede, daß diese Note ohne Vorschlag erst ihre vorgeschriebene Zeit ausdauert, bevor der Bogen abgehoben wird; da hingegen aber die Note mit dem Vorschlage nur - gleich der letzten Sylbe in der Rede- ganz kurz und schwach gehört wird, so bald ihr eine Pause folgt. Da diese die letzte ist, und von keiner folgenden verdunkelt wird, so wird sie immer stark genug vernommen. Ohnedem wird durch den Vorschlag die Erwartung des Zuhörers nach der folgenden Note lebhaft, daß <48> der kleinste Anschlag der Note hinlänglich ist, ihn zu befriedigen."

Ehedem wurde unter dem Worte Abzug das dritte Stück eines Ballets verstanden, womit es beschlossen wurde. Siehe Praetor. Syntagm. Mus. T. III. p. 19.

Fußnoten:

Fußnote 1 (Sp. 47/48):

Was hier von den Bogeninstrumenten gesagt wird, ist von selbst leicht auf die übrigen Instrumente anzuwenden.