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Koch: Musikalisches Lexikon

Animo-corde.

<144> Ein Tastatur-Instrument, welches von Johann Jacob Schnell, einem Deutschen aus dem Wirtembergschen, der sich zu Paris niedergelassen, und der daselbst viele gute Clavierinstrumente <145> verfertigt hatte, erfunden worden ist. eine zufällig in der freyen Luft hängende Harfe erweckte in diesem Mechaniker die erste Idee zur Verfertigung eines Tastatur-Instrumentes mit Metallsaiten, deren Intonation blos Wirkung der Pneumatik seyn sollte. Nach vierjähriger Arbeit mit acht Gehülfen kam es im Jahre 1789 zu Stande, und erhielt den Beyfall aller Kenner und der Akademie der Künste und Wissenschaften. In dem dritten Stücke der allgem. Musikalischen Zeitung vom Jahr 1798 findet man nebst der Biographie dieses Künstlers folgende Beschreibung dieses Instrumentes (welcher auch eine pünktliche Zeichnung beygefügt ist) aus der Feder des Herrn Pfarrer Christmann.

"Die Länge des Instrumentes, welches fünf volle Oktaven enthält, beträgt 7 Fuß, die Höhe 41/2 und das Fußgestell 2 Fuß nach dem französischen Maaßstabe. - Es ist durchgehends dreychörigt bezogen und die Saiten der obern drey Oktaven sind mit Seide übersponnen. Dieses Umstandes ungeachtet kann man solches als ein gewöhnliches Flügel-Instrument gebrauchen, nur daß seine Wirkung viel schwächer ist, als bey einem bekielten Flügel. Was die innere mechanische Einrichtung betrifft, davon kann ich nichts melden, weil sie bis jetzt ein Geheimniß für den Erfinder ist. nur so viel ist mir davon bekannt, daß es in seinen Eingeweiden über 300 Pfund Messing enthält, die sehr wahrscheinlich zu den Windkanälen gebraucht wurden, die wie bey einer Orgel mit zwey Blasbälgen, die nach Beliegen entweder in den Körper des Instrumentes selbst oder in ein Seitenzimmer gesetzt werden können, in genauester Communication stehen. Sind nun die Bälge aufgezogen, so öffnen sich durch das Niederdrücken der Tasten die Ventile, die von einer besondern Struktur sind. Der Wind dringt dann in einer nach physischen Principien genau berechneten Stärke an die Saiten, bringt sie in Vibration und erzeugt dann eine so schmelzende Intonation derselben, <146> die sich nur fühlen, aber nicht beschreiben läßt."

"Die im Pedal angebrachten beyden Fußtritte sind dazu geeignet, um die Ventile nur nach und nach zu öffnen, und dadurch die Täuschung zu bewirken, als ob die Harmonie aus einiger Entfernung sich näherte. Durch die Registerzüge, die unter der Claviatur angebracht sind, kann man die Töne in das crescendo oder diminuendo bringen. Zum Charakteristischen dieses Instruments gehört auch noch dieses, daß es, so wie Harmonika, nur einen langsamen Vortrag, vorzüglich aber den gebundenen Stil verträgt und zur Begleitung einer Singstimme jedem andern Instrumente den Vorzug streitig macht."