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Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Empfindung.

<533> Man verstehet darunter das Bewußtseyn des Angenehmen oder Unangenehmen. Nach Sulzern drückt dieses Wort sowohl einen psychologischen als einen moralischen Begriff aus.

"Beyde" (sagt er) "kommen in der Theorie der Künste vielfältig vor. In dem ersten Sinne, der allgemeiner ist, wird die Empfindung der deutlichen Erkenntniß entgegen gesetzt, und bedeutet eine Vorstellung, in so ferne sie einen angenehmen oder unangenehmen Eindruck auf uns macht, oder in so ferne sie auf unsre Begehrungskräfte wirkt, oder in so ferne sie uns die Beschaffenheit der Dinge mit mehr oder weniger Deutlichkeit erkennen läßt. Bey der Erkenntniß sind wir mit dem Gegenstande, als einer ganz außer uns liegenden Sache beschäftiget; bey der Empfindung aber geben wir mehr auf uns selbst, auf den angenehmen oder unangenehmen Eindruck, den der Gegenstand auf uns macht, als auf seine Beschaffenheit, Achtung. Die Erkenntniß ist hell oder dunkel, deutlich und ausführlich, oder confuß und eng eingeschränkt; die Empfindung aber ist lebhaft oder schwach, angenehm oder unangenehm."

"Im moralischen Sinn ist die Empfindung ein durch öftere Wiederholung zur Fertigkeit gewordenes Gefühl, in so fern es zur Quelle gewisser innerlichen oder äußerlichen Handlungen wird."

<534> Die Theorie der Empfindungen ist für jeden Tonkünstler von großer Wichtigkeit, und wichtiger noch insbesondere für den Tonsetzer, weil Ausdruck der Empfindungen und Leidenschaften der Zweck der Tonkunst ist. Empfindung und Leidenschaft scheinen sich zu verhalten wie Sprosse und Baum, den sobald das Bewußtseyn des Angenehmen oder Unangenehmen, oder die Begehrungskraft des ersten und die Verabscheuungskraft des letztern herrschend wird, nennen wir es Leidenschaft. So nöthig aber besonders dem Tonsetzer Kenntnisse von der Natur der verschiedenen Arten der Empfindungen, und von der Art sind, wie sich jede derselben zu äußern und zu modificiren pflegt, so wenig ist dieses Werk dazu geeignet, in diesen vielumfassenden Gegenstand einzugehen, der eigentlich in die Aesthetik gehört, und durch welche man sich diese Kenntnisse zu erwerben suchen muß.