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Koch: Musikalisches Lexikon

Erhaben,

<541> nennet man dasjenige, was uns mit Bewunderung und Vollkommenheit erfüllet.

"Die Empfindungen des Erhabenen" (sagt Rochlitz)1 "sind das Bewußtseyn eines hohen Grades von Wirksamkeit, Konzentrirung, Exaltirung unsers ganzen Wesens, welches Bewußtseyn seinen ersten Grund hat in den Anlagen unsrer übersinnlichen Natur, und welches uns über den Einfluß gewöhnlicher alltäglicher Dinge erhebt, d.h. uns frey macht von ihrem Einfluß, uns selbst dadurch mächtiger, größer, höher fühlen läßt, als diese Dinge selbst sind; - also Etwas einem edlen Stolze Aehnliches. (Daher sind auch die Aeußerungen erhabner Empfindungen in den körperlichen Bewegungen und folglich auch in der Mimik den Aeußerungen solches Stolzes ähnlich.) Ursprünglich ist der Ausdruck (vielleicht auch die Empfindung selbst) von sichtbaren Gegenständen hergenommen, und dann auf alles, auch nicht Sichtbare, das die nemlichen Empfindungen weckt, also auf alles Analoge angewendet. So ergiebt sich aus den sichtbaren Eigenschaften erhabener Gegenstände die Materie eines erhabenen Tonstücks, als analog mit jenen."

Bey dem Ausdrucke dieses Charakters bedient sich daher der Tonsetzer einer ernsthaft langsamen Bewegung, einer vollen und kräftigen Harmonie, und melodischer Sätze ohne viele Zierathen, die aber in festen, kühnen Schritten einhergehen, und sich oft in weiten Intervallensprüngen fortbewegen. Im Vortrage verlangt das Erhabene einen markichten Ton, und etwas Hervorstechendes der grammatischen Accente, besonders in Notenfiguren, die dem Ernsthaften eigen sind, und von welchen in dem Artikel con gravità schon geredet worden ist.

Fußnoten:

Fußnote 1 (Sp. 541/542):

In seinen Rhapsodischen Gedanken über die zweckmäßige Benutzung der Materie der Musik, im 10ten Stücke des neuen teutschen Merkurs vom Jahre 1798.