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Koch: Musikalisches Lexikon

Intermezzo.

<795> Ein kurzes musikalisches Drama komischen Inhaltes, welches nur für zwey handelnde Personen eingerichtet ist, aber eben so, wie die ernsthafte Oper durchaus gesungen wird, und also aus Recitativen, Arien und Duetten bestehet. Diese Gattung des Drama ist eine Erfindung der Italiäner, die anfangs bloß aus Madrigalen bestand, welche zwischen den Akten einer Oper gesungen wurden, und deren Inhalt sich auf das Stück selbst bezog. In der Folge arteten sie in besondere Handlungen, die mit dem Stücke keinen Zusammenhang hatten, und in Possenspiele aus, wodurch man den Zuschauern die Zeit zwischen den Aufzügen der Oper zu vertreiben suchte. Daher pflegten diese kleinen musikalischen Schauspiele als besondere Ganze zwischen den Akten der Opern aufgeführt zu werden. Weil aber das feine Komische oft so schwer zu treffen ist, so sanken sie gemeiniglich wieder zu dem, was sie anfangs waren, zu Possenspielen herab.

Gesetzt aber auch, daß sie einigen ästhetischen Werth zu haben, so ist ihr Gebrauch zwischen den Akten der ernsthaften Oper, mit deren Inhalte sie ganz und gar nichts gemein haben, immer zweckwidrig, weil dadurch der Gang des Hauptstückes durch Vorstellungen und Empfindungen <796> ganz entgegengesetzter Art unterbrochen wird. Man hat daher seit geraumer Zeit angefangen, das Intermezzo wieder aus den Zwischenakten der Oper zu verweisen, und die Zeit, während die Handlung des Stückes unterbrochen wird, den Zuschauern zu willkührlichen Erholungen zu überlassen.

Obgleich dergleichen komische Singstücke ehedem in Deutschland von den Italiänern sehr häufig vorgestellet worden sind, so hat man sie dennoch (wenn ich nicht irre) im Deutschen Kleide niemals nachgeahmt.

In dem 51sten Stücke der allg. musik. Zeitung vom Jahre 1800 findet man eine Abhandlung über das Intermezzo der Italiäner.