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Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Pantaleon,

<1134> gemeiniglich Pantalon genannt, ist ein krustisches Saiteninstrument, welches gegen das Ende des siebenzehnten Jahrhunderts von Pantaleon Hebenstreit (nachmals Kammermusikus am Hofe zu Dresden) erfunden worden ist. Dem Taufnamen seines Erfinders erhielt es von Ludwig XIV., als sich Hebenstreit im Jahre 1705 vor dem damaligen Königl. Hofe zu Paris auf demselben hatte hören lassen.

Dieses Instrument ist sowohl in Ansehung seiner Einrichtung, als auch in Ansehung des Traktementes dem Cimbal oder so genannten Hackebrete ähnlich. Sein Corpus, ohngefähr viermal länger, und fast noch einmal so breit, als das Cimbal, macht ein Oblongum aus, welches zwey Resonanzböden hat, von welchen der eine mit Drathsaiten, der andere aber mit Darmsaiten bezogen ist.1 Der Umfang der Töne ist dem des Claviers gleich, und der Ton selbst, welchen dieses Instrument vermittelst der Darmsaiten gewährt, (mit Drathsaiten habe ich niemals Gelegenheit gehabt, es zu hören,) ist besonders in der Tiefe sehr pompreich; nur Schade, daß die tiefern Töne, bey dem geschwinden Wechsel derselben, zu lange nachklingen, und daß die Unterhaltung des Instrumentes mit Darmsaiten sehr kostsplitternd ist.

Es scheint, als sey der im Jahre 1789 in Ludwigslust verstorbene Noelli der letzte Tonkünstler gewesen, der sich diesem Instrumente gewidmet hat; wenigstens ist seitdem keiner bekannt worden, der sich öffentlich darauf hören ließ.2 <1135> Mit dem Namen Pantalon bezeichnete man ehedem auch noch diejenige Art des von Schröter erfundenen Fortepiano, bey welcher der Schlag der Hämmer auf die Saiten von oben herab geschiehet.

Fußnoten:

Fußnote 1 (Sp. 1133/1134):

Es giebt auch Pantalons, die nur einen mit Darmsaiten bezogenen Resonanzboden haben. Von dieser Beschaffenheit war dasjenige Instrument, dessen sich ehedem an dem hiesigen Fürstl. Hofe der ehemalige Kapellmeister Gebel (ein Schüler Hebenstreits), und nach dessen Tode der noch lebende Herr Concertmeister Bodinus, letzterer aber nur zu seiner Privat-Unterhaltung, bediente.

Fußnote 2 (Sp. 1133/1134):

Georg Noelli, Kammermusikus und Pantalonist des Herzogs von Meklenburg-Schwerin, war einer der stärksten Virtuosen auf diesem Instrumente.