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Koch: Musikalisches Lexikon

Piano,

<1153> (abgekürzt pia. oder p.) schwach, oder mit leisem Tone. Mit diesem Worte wird derjenige Grad der Schwäche des Tones bezeichnet, der noch einen größern Grad der Schwäche für das Pianissimo (am leisesten) übrig läßt. Bey dem Vortrage solcher <1154> Tonstücke, in welchen sich keine besondere Solostimme hören läßt, kann man den Grad der Stärke des piano leicht dadurch bestimmen, daß man zu einem vorkommenden pianissimo noch einen schwächern Grad des Tones übrig zu behalten sucht. Bey der Begleitung einer Singstimme, oder eines concertirenden Instrumentes hingegen muß das piano der Beschaffenheit der Stimme oder des Instrumentes, welches man begleitet, angepaßt werden, und in diesem Falle gehet es oft in das pianissimo über. So muß z.B. die Tenorstimme, wenn sie nicht vorzüglich stark ist, schwächer begleitet werden, als die Discantstimme, weil jene, als eine tiefere Stimme weniger durchdringend ist, als diese, und weil sie noch überdies von den mehresten begleitenden Stimmen überstiegen wird. Selbst bey Stimmen von einerley Art muß man sich mit dem piano nach ihrer besondern Stärke oder Schwäche richten. Eben so verhält es sich auch bey der Begleitung eines concertirenden Instrumentes; die obligate Viole verlangt eine schwächere Begleitung, als die obligate Violine, und die Flöte muß wegen ihres schwachen Tones schwächer begleitet werden, als die Oboe oder das Clarinet, u.s.w.

Bey dem Wechsel des piano mit dem forte ist es höchst nothwendig, daß alle Ausführer zugleich auf der mit piano bezeichneten Note mit der dazu nöthigen verminderten Stärke des Tones anfangen, denn geschieht dieses nicht, so gehet die Absicht dieses Wechsels, und die Wirkung, die dadurch hervorgebracht werden soll, größtentheils verloren.

Ein noch sehr oft merklicher Fehler ist dieses, daß bey dem piano die Hauptstimmen, von den Blasinstrumenten zu sehr übertönt werden. Dieser Uebelstand zeigt sich besonders in dem Falle, wenn Tonstücke, die für ein Orchester gesetzt sind, in welchem die Hauptstimmen zahlreich besetzt werden, auch in solchen Orchestern ausgeführt werden sollen, wo die Hauptstimmen nur spärlich besetzt werden können; in diesem Falle ist es freylich, weil man anjetzt so viele Blasinstrumente <1155> zu den Tonstücken setzt, den Blasinstrumentisten oft unmöglich, diesen Uebelstand zu vermeiden.