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Koch: Musikalisches Lexikon

Ritornell,

<1268> Ritornello. Dieser von dem italiänischen Worte ritorno (Wiederkehr oder Zurückkunft) abstammende Ausdruck bezeichnet ursprünglich eine kurze Periode, die bey Singstücken mit Instrumentalbegleitung vor dem Eintritte der Singstimmen von allen begleitenden Stimmen als eine Art von kurzer Einleitung vorgetragen, und sowohl zwischen den Haupttheilen des Stückes, als auch bey dem Schlusse desselben, wiederholt wurde.

Anjetzt verstehet man unter Ritornell diejenige Einleitung einer Arie, eines Chors oder eines Concertes, die vermittelst vollständiger Instrumentalmusik gemacht wird, und ini welcher die Hauptgedanken des ganzen Tonstückes in einer eigenen Form und Verbindung derselben vorgetragen werden, um die Zuhörer auf den Inhalt des Ganzen aufmerksam zu machen und zu <1269> dem Genusse desselben vorzubereiten. Zwischen den Haupttheilen des Satzes wird alsdenn dieses Ritornell in derjenigen Tonart, in welche die Modulation geleitet worden ist, zum Theil wiederholt, jedoch geschiehet dieses gemeiniglich in einer andern Wendung und Verbindung der melodischen Theile, woraus es bestehet. Diese Wiederholung dienet theils darzu, um dem Sänger oder Concertspieler nach dem Vortrage eines Haupttheils des Stückes Zeit zu einiger Erholung zu lassen, theils auch, um die Haupttheile des Ganzen dadurch an einander zu ketten, und Einheit und Zusammenhang ins Ganze zu bringen. Am Ende des Tonstückes wird gemeiniglich der Schlußsatz des ersten Ritornells ohne merklich Abänderung wiederholt, oft aber auch diesem Schlußsatze noch ein besonderer Anhang beygefügt, durch welchen das Stück völlig zur Ruhe gebracht wird.

Bey Arien und Chören wird oft das Anfangsritornell ausgelassen, und ein solches Tonstück sogleich mit dem Hauptvortrage angefangen. Dieses geschieht alsdenn, wenn in der Poesie der Schluß des Recitatives mit dem Anfange der Arie so genau zusammenhängt, daß man beyde der Natur der Sache zu Folge nicht ohne Unschicklichkeit durch das Ritornell trennen kann.

Ueber die Bearbeitung und Formen der Ritornelle findet man weitläuftigern Unterricht in dem dritten Theile meines Versuches einer Anleitung zur Composition, S. 242 und 333.