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Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Rondo,

<1271> (Rondeau) ist eigentlich ein kleines Gedicht, welches aus 13 Versen bestehet, welche nur zwey Reime haben, in drey Strophen abgetheilt sind, und bey welchem der Anfang nach dem fünften, achten und dreyzehnten Verse besonders und einzeln, jedoch jedesmal in einem besondern Sinne wiederholt werden muß.

"Da die Form desselben," <1272> (sagt der Herr von Blankenburg in seinen Zusätzen zum Sulzerschen Werke) [FN: Zusätze zum Art. "Rondo"] "die Wiederholung halber oder ganzer Verse, an bestimmten Stellen, sich schwerlich mit einer edlen, erhabenen, zärtlichen Idee verträgt: so entstand daraus das Gesetz, daß es naiv seyn mußte; und da die Naivetät von dem Witze verdrängt worden ist, so ist es nicht zu verwundern, daß man dergleichen nicht mehr schreibt."

Form und Charakter dieser Dichtungsart, in so ferne nemlich dieses Gedicht mit einer Melodie zum Gesange verbunden wurde, haben zu einer besondern Gattung der Tonstücke Gelegenheit gegeben, die man ebenfalls mit dem Namen Rondo bezeichnet, und die sich ebenfalls durch einen ungezwungenen und naiven Styl, so wie durch eine besondere Form unterscheidet.

Das Eigenthümliche der Form des Rondo bestehet darinne, daß der immer wiederkehrende Satz, mit welchem das Stück beginnt, und den man auch insbesondere den Rondosatz nennet, aus zwey Gliedern bestehet, von welchen das erste seinen Abschnitt auf der Grundlage des Dreyklanges der Dominante, oder einen so genannten Quintabsatz oder eine Halbcadenz macht: das zweyte enthält bloß die Wiederholung des ersten, die aber am Ende in eine Cadenz in der Tonica umgeformt wird; z.E.

Notenbeispiel Sp. 1271/1272
Notenbeispiel Sp. 1273/1274, Nr. 1

<1273> Nach dem Rondosatze wendet sich die Modulation nach der Tonart der Dominante (bey der Grundlage einer weichen Tonart aber nach der Tonart der Terz) hin, in welcher sie eine mehr oder weniger ausgeführte Hauptperiode bildet, die in dieser Tonart geschlossen wird, so daß nach dem Tonschlusse derselben der Rondosatz in der Haupttonart wiederholt wird.

Die dritte Hauptperiode fängt sodann in der weichen Tonart der Sexte, oder auch in der weichen Tonart des Grundtones an,1 wendet sich gemeiniglich nach der Tonart der Terz derselben hin, und schließt sodann in der Tonart, in welcher sie angefangen wurde. Nach dem Tonschlusse dieser Periode tritt der Rondosatz wieder in der Haupttonart ein, und beschließt entweder den ganzen Satz, oder man fügt noch eine vierte Hauptperiode hinzu, die entweder die melodischen Theile des ersten Zwischensatzes oder Couplets theils in der Haupttonart, theils in der Tonart der Quinte wiederholt, oder es wird ein neuer <1274> Zwischensatz in einer solchen nahe verwandten Tonart eingeschoben und geschlossen, in welcher vorher noch nicht förmlich ausgewichen worden ist; gemeiniglich ist es die Tonart der Quarte. Auch nach diesem Zwischensatze wird der Rondosatz in der Haupttonart wiederholt und mit demselben das Ganze geschlossen.

Taktart und Zeitmaaß ist bey dem Rondo willkührlich, jedoch ist man gewohnt, dasjenige Rondo welches in einem dem Adagio oder Largo eigenthümlichen Zeitmaaße vorgetragen werden soll, gemeiniglich mit dem Namen Romanze zu bezeichnen. (Siehe Romanze)

Aus dem Vorhergehenden verstehet sich übrigens von selbst, daß das Rondo mit einem ungekünstelten und dem Naiven eigenem Vortrage ausgeführet werden muß.

Fußnoten:

Fußnote 1 (Sp. 1273/1274):

Liegt aber eine weiche Tonart zum Grunde, so fängt diese Periode mit der harten Tonart des Grundtones an, in welcher sie auch schließt.