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Mattheson: Der vollkommene Capellmeister

Teil 2, Kap. 13 [Seite 38 von 41]

Sonata

§. 137. Eine weit vornehmere Stelle unter den Gattungen der Instrumental=Melodien bekleidet

XIX. Die Sonata,

mit verschiedenen Violinen oder auf besondern Instrumenten allein, z. E. auf der Queerflöte &. deren Absicht hauptsächlich auf eine Willfährig= oder Gefälligkeit gerichtet ist, weil in den Sonaten eine gewisse Complaisance herrschen muß, die sich zu allen bequemet, und womit einem ieden Zuhörer gedienet ist. Ein Trauriger wird was klägliches und mitleidiges, ein Wollüstiger was niedliches, ein Zorniger was hefftiges u.s.w. in verschiedenen Abwechselungen der Sonaten antreffen. Solchen Zweck muß sich auch der Componist bey seinem adagio, andante, presto &. vor Augen setzen: so wird ihm die Arbeit gerathen.

§. 138. Seit einigen Jahren hat man angefangen Sonaten fürs Clavier mit gutem Beifall zu setzen: bisher haben sie noch die rechte Gestalt nicht, und wollen mehr gerühret werden, als rühren, d. i. sie zielen mehr auf die Bewegung der Finger, als der Hertzen. Doch ist die Verwunderung über eine ungewöhnliche Fertigkeit auch eine Art der Gemüths=Bewegung, die nicht selten den Neid gebietet; ob man gleich saget, ihre eigene Mutter sey die Unwissenheit. Die Frantzosen <234> werden nun auch in diesem Sonaten=Handel, so wie in ihren neuern Cantaten, zu lauter Italienern; es läufft aber meist auf ein Flickwerck, auf lauter zusammengestoppelte Cläusulgen hinaus, und ist nicht natürlich.