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Schumann: Schriften

Die Pianoforte-Etuden, ihren Zwecken nach geordnet. [Kreisig 33]

[Auszug - Einleitung]

<II,34> Vielen Lernenden würden die Flügel sinken, wenn sie die Massen von Etudencompositionen aufgeschichtet sähen. Die folgende Tabelle soll ihnen das Auffinden des Aehnlichen erleichtern. Wenn wir darin bis auf die über hundert Jahre alten Exercicen von Bach1 zurückgehen und zu deren sorgfältigstem Studium rathen, so haben wir Grund dazu; denn nehmen wir das aus, was wir durch Erweiterung des Umfangs unseres Instrumentes an Mitteln, wie durch die schönere Ausbildung des Toncharakters an Effecten gewonnen haben, so kannte er das Clavier in seinem ganzen Reichthum. Und wie er Alles gleich gigantisch anlegte, so componirte er nicht etwa 24 Etuden für die bekanntenTonarten, sondern für jede einzelne gleich ein ganzes Heft. Wieviel Clementi2 und Cramer3 aus ihm schöpften, wird <II,35> Niemand in Abrede stellen. Von da bis Moscheles4 trat eine Pause ein. Vielleicht daß es der Einfluß Beethovens war, der, allem Mechanischen feind, mehr zum rein-poetischen Schaffen aufforderte. In Moscheles und noch in höherem Grad in Chopin5 waltet daher neben dem technischen Interesse auch das phantastische. Hinter diesen Fünf, die am größten hervorragen, stehen am originellsten L. Berger6 und C. Weyse7. Ries8 und Hummel9 haben ihren eigentlichen Styl klarer in freien Compositionen niedergelegt, als gerade in Etuden. Als solid und tüchtig müssen Grund10 und Keßler11 genannt werden, auch A. Schmitt12, dessen einfache Klarheit jungen Herzen wohltun muß. Kalkbrenner13, Czerny14 und Herz15 lieferten keine Riesenwerke, aber Schätzenswertes wegen ihrer Instrumentalkenntnisse. Potter16 und Hiller17 dürfen ihres romantischen Geistes wegen nicht übergangen werden, auch die zarte Szymanowska18 <II,36> nicht und der freundliche C. Mayer19. Bertini20 täuscht, aber anmuthig. Wer Schwierigstes will, findet es in den Paganini-Etuden21 des Unterzeichneten.

[...]

1 [J.S. Bach:] Exercices, Oe. 1, 6 Livraisons. Sodann Exercices, Oe. 2.
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2 [M. Clementi:] Gradus ad Parnassum.
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3 [J.B. Cramer:] Etudes ou 42 exercices doigtés dans les différentes Tons.
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4 [I. Moscheles:] Studien zur höheren Vollendung bereits ausgebildeter Clavierspieler, W. 70.
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5 [F. Chopin:] 12 Grandes Etudes. Oe. 12. 2 Livraisons.
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6 [L. Berger:] 12 Eudes. Oe. 125.
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7 [C. Weyse:] 8 Etudes. Oe. 51.
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8 [F. Ries:] 6 Execices. Oe. 31.
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9 [J.N. Hummel:] Etudes. Oe. 125.
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10 [F.W. Grund:] 12 grandes Etudes. Oe. 21.
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11 [J.C. Keßler (Kötzler):] Etudes. 4 Livraisonas. Oe. 20.
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12 [A. Schmitt:] Etudes. Oe. 16. 2 Partiees. Derselbe Componist hat noch eine Menge Hefte herausgegeben, die wir nicht einzeln aufzählen.
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13 [F. Kalkbrenner:] 24 Etudes. Oe. 20. 2 Livrais.
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14 [C. Czerny:] Eine zahllose Menge sehr nützlicher Unterrichtsstücke.
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15 [H. Herz:] Exercices et Préludes. Oe. 21.
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16 [P.C.H. Potter:] Etudes. Oe. 19.
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17 [F. Hiller:] 24 Etudes. Oe. 15.
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18 [M.A. Szymanowska:] 12 Etudes. 2 Livrais.
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19 [C. Meyer:] 6 Etudes.Oe. 31.
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20 [H. Bertini:] Etudes charactéristiques. Oe. 66.
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21 [R. Schumann:] Etudes und 6 Etudes de Concert d'après des caprices de Paganini.
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