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Schumann: Schriften

Sechster Quartettmorgen. [Kreisig 58]

[Auszug]

Leon de St. Lubin, 1stes großes Quintett für 2 Violinen, 2 Bratschen u. Vlcll. [Violoncello] (Es dur, W. 38.)

<II,269>[...]

[L. Cherubini, Quartett für 2 Violinen, Bratsche und Violoncell. Nr. II. (C dur.)]

<II,270> [...] Es scheint mir dies zweite Quartett lange <II,271> vor dem ersten derselben Sammlung geschrieben und vielleicht gar die Symphonie, die, wenn ich nicht irre, bei ihrer ersten Aufführung in Wien so wenig gefiel, daß sie Cherubini nicht veröffentlichte und sie später in ein Quartett umgewandelt haben soll. So ist denn vielleicht der umgekehrte Fehler entstanden: klang die Musik nämlich als Symphonie zu quartettartig, so klingt sie als Quartett zu symphonistisch, wie ich denn aller solcher Umschmelzung abhold bin, was mir wie ein Vergehen gegen die göttliche erste Eingebung vorkömmt. Den frühern Ursprung möcht' ich am Unverzierteren erkennen, das Cherubini's ältere Compositionen vor seinen neuem auszeichnet. Freilich bin ich geschlagen, träte der Meister selbst heran und sagte: "Du irrst, Freund: beide Quartette sind zur nämlichen Zeit geschrieben und ursprünglich nichts anders als Quartette." Und so kann, was ich bemerkt, nur Vermuthung bleiben und soll Andere zum Ueberdenken anreizen. Im Uebrigen erhebt sich auch diese Arbeit hoch genug über die Zahl der Tageserscheinungen, über Alles, was uns von Paris aus zugeschickt wird, und Einer, der nicht lange Jahre hintereinander geschrieben, gelernt und gedacht, wird so etwas auch nie zustande bringen können. Einzelne trocknere Tactreihen, Stellen, wo nur der Verstand gearbeitet, finden sich wie in den meisten Werken Cherubinis, so auch hier, selbst aber auch dann noch etwas Interessantes, sei's im Satz, eine contrapunctische Feinheit, eine Nachahmung; etwas, was zu denken gibt. Meisten Schwung <II,272> und meisterliches Leben tragen wohl das Scherzo und der letzte Satz in sich. Das Adagio hat einen höchst eigenthümlichen A moll-Charakter, etwas Romanzenartiges, Provenzalisches; bei öfterem Anhören erschließt es sich mehr und mehr in seinen Reizen: der Schluß davon ist derart, daß man wieder wie von neuem aufzuhorchen anfängt und doch das Ende nahe weiß. Im ersten Satz treffen wir Anklänge an Beethovens B dur-Symphonie, eine Nachahmung zwischen Bratsche und Violine, wie in jener Symphonie eine zwischen Fagott und Klarinette, und bei dem Haupt-Rückgang in der Mitte dieselbe Figur wie an demselben Ort in dem nämlichen Satz der Symphonie von Beethoven. Im Charakter sind die Sätze aber so verschieden, daß die Aehnlichkeit nur wenigen auffallen wird.

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