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Sulzer: Theorie der Schönen Künste

Dreystimmig.

(Musik.)

<748 re> Ein Tonstück ist dreystimmig, wenn darinn drey verschiedene Stimmen sind, deren jede ihren eigenen Gang hat. Denn ein Gesang durch mehrere Stimmen oder Instrumente, die denselben Gang oder dieselbe Melodie haben, vortragen, wird nur für einstimmig gehalten. Die drey Stimmen gehen entweder durch das ganze Stük, oder kommen nur in einzelen Theilen oder Gängen desselben vor: auch findet sich dieser Unterschied, daß die drey Stimmen entweder alle Hauptstimmen sind, oder es sind nur zwey Hauptstimmen, die dritte aber ein bloß begleitender Baß; oder ist nur eine einzige Hauptstimme, mit dem begleitenden Baß und einer zur Ausfüllung dienenden Mittelstimme.

Im ersten Fall bekommt das Stük den Namen Trio, worüber der besondre Artikel nachzusehen ist: im andern Fall wird das Stük eine Gattung des Duets, wo zwey Hauptstimmen mit einem begleitenden Basse, der keine Melodie hat, <749 li> vorkommen. Weil diese Stüke so gemacht seyn müssen, daß der Baß auch davon weg bleiben kann, so werden sie, ihrer dreystimmigen Beschaffenheit ungeachtet, Duette genennt.

Von dem dreystimmigen Satz ist überhaupt anzumerken, daß die Regeln der Harmonie dabey auf das strengste müssen beobachtet werden, weil bey den wenigen Simmen jeder Anstoß gegen die Regeln empfindlich wird, da in vielstimmigen Sachen, kleinere Fehler durch die Menge der Stimmen oft bedekt werden. Ein einziges Stük, wenn es auch nur ein Choral wäre, durchaus dreystimmig ohne Fehler zu setzen, erfodert schon einen ganz geübten Setzer, dem auch die kleinesten Regeln des reinen Satzes völlig geläufig sind.