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Sulzer: Theorie der Schönen Künste

Figur.

(Musik.)

<234li>

<234li> Dieses Wort bedeutet in der Musik eine Folge von etlichen geschwind hinter <234re> einander folgenden, in der Höhe abwechselnden Tönen, die zu derselben Harmonie gehören, und an deren Stelle man, wenn man einfacher hätte singen wollen, nur einen einzigen davon würde genommen haben. Den Namen haben solche Töne vermuthlich daher, weil die Noten, so wie sie auf einander folgen, da sie insgemein durch Striche zusammen gezogen werden, allerhand Figuren ausmachen.

Daher heißt der figurirte Gesang derjenige, in welchem solche Figuren vorkommen, und er wird dem planen Choralgesang, der diese Auszierungen nicht hat, entgegen gesetzt.

Die Figuren bestehen allemal aus der Hauptnote, oder der, die eigentlich zur Harmonie nothwendig erfodert wird; ferner aus andern zur Harmonie gehörigen Noten, wie z.E. aus der Quinte oder Sexte, wenn die Terz die Hauptnote ist; und dann aus durchgehenden Noten.

Diese Figuren kommen vornehmlich in der Hauptstimme vor; und die andern, die ihr zur Begleitung dienen, haben alsdenn nur einzele, zur Harmonie gehörige Töne. Oft aber trifft es sich auch, daß, indem die Hauptstimme einen Ton länger anhält, eine der begleitenden Stimmen eine Figur darauf macht. Auch fällt die Figur bisweilen so gar in den begleitenden Baß, der alsdenn ein figurirter Baß genennt wird.

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Eine umständliche Beschreibung der Figuren in der Musik, findet sich, unter andern, im 3ten Th. des Kritischen Musikus S. 668 u.f. [Scheibe, Johann Adolph: Critischer Musikus. Leipzig 1745. Reprint: Hildesheim (Olms) 1970].

[...]

Uebrigens gestattet der, dem Worte Figur, zum Grunde liegende Begriff, in Rücksicht auf Musik eine ganz andre Anwendung, worüber die Einleitung zu J.N. Forkels Allg. Gesch. der Musik, Gött. 1788. 4. S. 53 u.f. [Forkel, Johann Nikolaus: Allgemeine Geschichte der Musik. Leipzig 1788-1801. Reprint: 1967] nachzulesen ist.