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Sulzer: Theorie der Schönen Künste

Quartet; Quatuor.

(Musik.)

<753re> Das erste dieser beyden Wörter bezeichnet ein Singestük von vier concertirenden Stimmen, dergleichen bisweilen in Kirchenstüken, auch in Opern vorkommen. Was das Duett für zwey Stimmen ist, das ist das Quartet für viere. Das andre Worte wird zur Benennung der Instrumentalstüke von drey concertirenden Stimmen, und einem Basse, der, wenigstens bisweilen, auch concertirt, gebraucht.

Weil in diesen Stüken drey oder vier Hauptmelodien sind, deren jede <754li> ihren guten Gesang haben muß, ohne daß eine die andere verdunkele, so ist dieses eine der allerschwersten Arten der Tonstüke, und erfodert einen im Contrapunkte vollkommen geübten Meister. Die Stimmen müssen verschieden seyn, und doch nur ein Ganzes ausmachen. Da keine Stimme über die andere herrschen darf, und doch nicht alle zugleich in einerley Sätzen fortgehen können: so müssen sie nothwendig in Vortragung der Hauptgedanken mit einander abwechseln. Indem aber eine Stimme eine Weile herrscht, so müssen doch die andern eine gefällige und zusammenhangende Melodie behalten. Die Nachahmungen sind dabey unentbehrlich, weil die allzugroße Verschiedenheit der Stimmen nothwendig entweder einen gar zu sehr einfachen Gesang, dergleichen die vierstimmigen Chorale sind, erfoderten, oder widrigenfalls ein gar zu verworrenes Ganzes hervorbringen würde. Pausiret eine Stimme, so muß sie nicht als eine begleitende Stimme, sondern als eine vor sich bestehende Melodie wieder eintreten. Es verstehet sich von selbst, daß der Satz dabey vollkommen rein seyn müsse. Man kann ohne Bedenken die in einigen Graunischen Opern vorkommenden Terzette auch als Muster für diese Art anpreisen. [...]