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Dmitrij Schostakowitsch (Klavier)

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für den Deutschlandfunk, Köln
(Sendung: 29.9.1991 – "Historische Aufnahmen")

Musik-Nr.: 01
Komponist: Dmitrij Schostakowitsch
Werk-Titel: Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester Nr. 1 C-Dur, op 35
Auswahl: 1. Satz <Track 001.> 5:00
Interpreten: Dmitrij Schostakowitsch (Klavier)
Iwan Wolownik (Trompete)
Sinfonieorchester der Staatlichen Philharmonie Moskau
Ltg.: Somuil Samossud
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track 001.> Gesamt-Zeit: 5:00
Archiv-Nummer: DLF 1 073 905 001

Schostakowitsch komponierte sein Klavierkonzert op. 35 im Sommer 1933, wenige Wochen, nachdem er die Arbeit an seiner Oper "Lady Macbeth von Mzensk" fertiggestellt hatte. Es selbst nannte dieses Werk eine "spöttische Herausforderung an den konservativ-seriösen Charakter des klassischen Konzert-Gestus", und so finden sich denn auch alle möglichen Stil- und Melodiezitate von Beethoven bis Mahler.

Die Uraufführung in Leningrad, bei der Schostakowitsch selbst den Klavierpart übernommen hatte, war ein durchschlagender Erfolg. Sowohl das Publikum als auch die Presse waren begeistert, und tags darauf konnte man lesen, daß "das jetzige Zeitalter und das vergangene hier aufeinander geprallt" seien:

In diesem unerwarteten und demonstrativen Zusammenprall finden die Kraft, Begabung, Jugend und die reiche Phantasie des Komponisten ihre Bestätigung.

Der Überschwang von 1933 hielt nicht lange an: 1936 schleuderte Stalin höchstpersönlich den Bannfluch gegen die "Lady Macbeth von Mzensk", weil er Schostakowitschs Musik für "bürgerlich, vulgär und primitiv" hielt, und nach einer längeren Verleumdungs- und Hetzkampagne in der "Prawda" mußte auch das Klavierkonzert aus dem Konzert-Repertoire verschwinden: Ironie – und sei es nur in der Musik – war dem ehemaligen Theologiestudenten Jossif Wissarionowitsch Stalin unerträglich.

Es waren zwei Jahrzehnte der Demütigung, die Schostakowitsch von 1936 bis zur endgültigen Rehabilitierung seiner Musik im Jahre 1958 erdulden mußte. Als Vorzeige-Komponist der russischen Avantgarde wurde er zwar nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westeuropa und Amerika geschickt, aber immer wieder mußte er den Kotau vor den sowjetischen Kulturfunktionären machen und dem sogenannten "reaktionär-bürgerlichen Kunst-Formalismus" abschwören.

Nicht unangenehm auffallen und doch seine künstlerische Integrität wahren: Das wurde in jener Zeit Schostakowitschs zum Überleben notwendige Strategie. – Für einen Klavierabend, den er 1954 zusammen mit seinem Sohn Maxim in Leningrad geben wollte, schrieb er das Concertino für zwei Klaviere op. 94. Und auch dieses Stück mußte auf Weisung der Kulturbehörden kurzfristig aus dem Programm genommen werden. Die folgende Aufnahme mit Dimitrij und Maxim Schostakowitsch entstand 1956, wurde aber erst gegen Ende der 60er Jahre veröffentlicht.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Dmitrij Schostakowitsch
Werk-Titel: Concertino für zwei Klaviere, op. 94
Interpreten: Dmitrij Schostakowitsch (Klavier)
Maxim Schostakowitsch (Klavier)
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track __.> Gesamt-Zeit: 8:05
Archiv-Nummer: DLF 1 073 907 0

1950 wurde Schostakowitsch in die Jury des Leipziger Klavierwettbewerbs berufen, den die DDR aus Anlaß von Bachs 200. Todesjahr veranstaltete. Eine der Teilnehmerinnen war die 26-jährige Pianistin Tatjana Nikolajewa, die nicht nur (wie gefordert) eine Nummer aus Bachs "Wohltemperiertem Klavier" einstudiert hatte, sondern der Jury die freie Auswahl ließ. Mit einer Aufführung aller 48 Präludien und Fugen gewann sie damals den ersten Preis.

Schostakowitsch war von Tatjana Nikolajewas Spiel so beeindruckt, daß er ihr kurze Zeit später einen Zyklus von 24 Präludien und Fugen widmete. Tatjana Nikolajewa hat diesen Zyklus op. 87 dann, wo immer es möglich war, aufgeführt und bekannt gemacht. Schostakowitsch selbst hat seine Präludien und Fugen nie öffentlich gespielt. Obwohl er ein sehr versierter Pianist war, traute er es sich nicht zu, den Zyklus so zu interpretieren, wie es der Musik angemessen sei. Was es allerdings gibt, ist eine Studioproduktion des sowjetischen Rundfunks, zu der Schostakowitsch sich Anfang der 60er Jahren dann doch bereiterklärte.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Dmitrij Schostakowitsch
Werk-Titel: Präludium und Fuge d-moll, op. 87, Nr. 24
Interpreten: Dmitrij Schostakowitsch (Klavier)
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track __.> Gesamt-Zeit: 11:40
Archiv-Nummer: DLF 1 018 024 0