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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III

Kap. 2 [ a / 3. Teil]

<16> § 4. Das gewöhnliche Legato wird durch Bindungen angezeigt, muss aber auch überall angewendet werden, wo der Autor gar nichts andeutete. Denn in der Musik ist das Legato die Regel, und alle übrigen Vortrags-Arten nur die Ausnahmen.

Wie wir wissen, besteht das Legato darin, dass jede Note nach ihrem vollen Werthe gehalten, und die Taste nicht eher verlassen werden darf, bis die nächstfolgende Note eben angeschlagen wird. Auf diese Art ist jede Melodie, jeder mehrstimmige Satz, und jede, auch noch so schnelle Passage vorzutragen.

<17> Am wichtigsten und am schwierigsten ist aber die Ausführung des Legato in der Fuge, und im gebundenen Styl, wovon später die Rede sein wird. Hier ein Beispiel im gewöhnlichen Style.

[Notenbeispiel 17-1]

Der weiche, sanfte Charakter dieser Stelle wird dadurch ausgedrückt, dass die rechte Hand sowohl die langsamen Noten, wie die Läufe mit schönem vollen Tone, vollkommener Gleichheit und Ruhe, und so gebunden vortrage, wie es auf einem guten Blasinstrumente (Clarinette oder Flöte) in einem Athem ausgeführt werden könnte. Im 8ten Takte sind die Vierteln in beiden Händen so zu halten, dass die Finger möglichst spät, kurz vor dem nächsten Anschlage aufgehoben werden. In den hierauf folgenden 4 Takten sind alle 4 Stimmen gleichmässig gesangvoll auszuführen. Eben so die Achteln in den nächstfolgenden Takten.

Die Achteln in der linken Hand (in den ersten 7 Takten) sind zwar gebunden zu spielen, doch darf die unterste Note nicht als Halbe, sondern höchstens als Viertel gehalten werden.

§ 5. Besondere Beachtung verdient jenes Legato, welches bei fortlaufenden Noten anzuwenden ist, die in beide Hände vertheilt vorkommen. Z.B:

[Notenbeispiel 17-2]

<18> Hier müssen beide Hände überall einander in solcher Gleichheit nachfolgen, dass der Zuhörer stets nur eine Hand legato spielen zu hören glaube.

Daher muss in jeder Hand die letzte Note genau so lange gehalten werden, bis die nächstfolgende von der andern Hand angeschlagen worden ist.

Man darf diese Art nicht mit jener verwechseln, wo bei ähnlichen Passagen das Absetzen der Hände absichtlich bemerkbar sein muss, um irgend eine brillante und besondere Wirkung hervorzubringen.