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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III

Kap. 6 [ b / 7. Teil]

<46> Das schnelle Auslassen und Wiedernehmen des Pedals muss so gut angeübt werden, dass man es gar nicht merkt, und dass solche Stellen, wie die obern letzten 8 Takte, so klingen, als wäre das Pedal ununterbrochen aufgehoben gehalten.

Sehr nothwendig ist dieses Pedal zum Binden solcher Accorde, die man mit den Fingern schwer oder gar nicht legato vortragen kann. Z.B:

[Notenbeispiel 46-2]

Hier muss in den ersten 4 Takten das Pedal mit dem kurzen Accord zugleich weggelassen werden, da sein Zweck des Bindens erfüllt ist.

Ein sehr sanfter Schluss, dessen Accord nicht wechselt, ist stets mit diesem Pedal zu spielen. Z.B:

[Notenbeispiel 47-1]

<47> Das Pedal wird am Ende noch so lange gehalten, als der letzte Accord deutlich tönt.

Übrigens hüthe man sich, von diesem Pedal einen immerwährenden Gebrauch (folglich Missbrauch) zu machen. Alles verliert seinen Reitz, was man zu oft anwendet. Das klare deutliche Spiel bleibt immer die Regel, das Übrige sind nur Ausnahmen.

Noch schlimmer ist es, wenn schlechte Spieler glauben, durch dieses Pedal die falschen Töne und Fehler zu verdecken, welche sie machen, und wenn sie bei einer misslungenen, holprig hervorgebrachten Passage vollends durch dieses Pedal ein hässliches Geschwirre der Töne hervorbringen.

Solchen Spielern ist das Pedal überhaupt ganz zu verbieten, bis sie sich ein reines, zartes, und gleiches Spiel angewöhnt haben.

Es gibt Tonsetzer, in deren Werken das Pedal fast gar nie angewendet werden soll, dagegen Andere, wo es durchaus nothwendig ist.

Mozart, Clementi, und deren Zeitgenossen konnten davon keinen Gebrauch machen, da es damals noch gar nicht erfunden war.

Erst zu Anfang des Jahrhunderts haben Beethoven, Dussek, Steibelt, etc:, dasselbe in Anwendung gebracht, und auch Clementi hat es in der späteren Zeit häufig genug benützt.

Beethoven hat mehrere Clavierwerke eigends darauf berechnet, wie Z.B: das Finale der C-dur Sonate op. 53, welches ohne Pedal gar keine Wirkung machen würde.

Fast alle neueren Tonsetzer benützen es sehr häufig, wie Ries, Kalkbrenner, Field, Herz, Liszt, Thalbert, Moscheles (in seinen neueren Werken) etc:, und es versteht sich von selber, dass der Spieler es überall nehmen muss, wo er es angezeigt findet.

Nur hat er auf die Accordenwechsel auch da Rücksicht zu nehmen, wo bisweilen das Pedal im Stich zufällig zu lange dauernd vorgezeichnet steht.

In Hummels Werken findet man es selten, und kann es auch meistens entbehren.

Eben so ist es nicht rathsam, es in älteren Clavierwerken, wie z.B: bei Mozart, Em: Bach, in den älteren Clementischen Sonaten, oft anzuwenden; denn der Gebrauch dieses Pedals hängt sehr von den Compositionsarten ab, deren es, wie wir später sehen werden, mehrere sehr verschiedene gibt.

Noch ist zu bemerken, dass Beethoven in der frühern Zeit das Nehmen des Pedals mit den Worten: Senza Sordino bezeichnete. Das Wort con Sordino zeigt in dem Falle an, es wieder wegzulassen. [Anm. d. Hg.: Vgl. Sonate op. 27,2]