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Hanslick: Vom Musikalisch-Schönen

Vorwort

<V> Daß die bisherige "Aesthetik der Tonkunst" einer durchgängigen Revision bedarf, wird kaum von Kundigen geläugnet werden.

Die Grundsätze hinzustellen, die eine solche Revision in ihrer kritischen und construirenden Thätigkeit festzuhalten hätte, ist die Aufgabe dieser Schrift.

Völlig fern liegt mir hiebei der unter den musikalisch-ästhetischen Monographien beinahe epidemische Dünkel, es schlummere in diesen wenigen Bogen eine ganze Aesthetik der Tonkunst. Zu einer solchen, – selbst in dem beschränkteren Sinne, in welchem ich sie für möglich halte, – war vor der Hand weder die Absicht, noch die Kraft ausreichend.

Genug wenn es mir glückte, siegreiche Mauerbrecher gegen die verrottete Gefühlsästhetik auf den Kampfplatz zu tragen und einige Grundsteine für den künftigen Neubau bereit zu legen. Ueber die mir sehr wohl bewußten Lücken meiner Darstellung muß ich mir <VI> mit der Hoffnung hinweghelfen, daß für die hier entwickelten Grundsätze noch ausführlicher Rede zu stehen mir einst vergönnt sein werde.

Kann dieser Versuch dazu beitragen, Genuß und Erkenntniß des Schönen in der Tonkunst dem allein richtigen (d.i. ästhetischen) Boden näher zu bringen, so soll er damit manche ihm in Aussicht stehende Ungnade für mein Gefühl vollkommen wett gemacht haben.

Wien, den 11. September 1854.

Dr. Eduard Hanslick