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Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Flügel, Clavicimbel,

<586> ital. Cembalo, franz. Clavecin. Ein sehr bekanntes Claviatur-Instrument von langer und spitzig zulaufender Form, von der es auch wegen einer entfernten Aehnlichkeit mit den Flügeln des Federviehes seine deutsche Benennung erhalten hat. Es macht mit dem Spinet, dem Clavicytherium1 und mit noch einigen, weniger im Gebrauche gewesenen Instrumenten, eine besondere Art der Claviatur-Instrumente aus, die sich von den übrigen Arten dadurch unterscheidet, daß die Saiten mit kleinen Stückchen in die Zungen der Dokken eingeschobener Rabenfedern geschnellet oder gerissen werden. Die übrigen Gattungen dieser <587> Clavierart, nemlich das Spinet und das Clavicytherium, sind gänzlich außer Gebrauch gekommen; des Flügels aber bedient man sich noch in den mehresten großen Orchestern theils zur Unterstützung des Sängers bey dem Recitative, theils und hauptsächlich aber auch zur Ausfüllung der Harmonie vermittelst des Generalbasses. Die neuern Flügel haben gewöhnlich einen Umfang von fünf vollen Oktaven, nemlich vom Contra-F bis zum dreygestrichenen f; dabey enthalten sie mehrentheils drey bis vier Chöre Saiten, von welchen das eine vierfüßig, oder ein so genanntes Oktävchen ist. Diese Chöre können vermittelst verschiedener Züge sowohl einzeln, als auch zusammen vereinigt, gespielt werden. Ueberdies hat das Instrument gemeiniglich zwey Claviere, die gekoppelt werden können.

Weil unter allen Arten der Claviatur-Instrumente auf dem Flügel der Ton am wenigsten unterhalten werden kann, so ist er auch zum Vortrage cantabler Sätze, so wie überhaupt zu Feinheiten des Geschmackes, nicht geeignet. Sein starker durchschlagender Ton macht ihn aber bey vollstimmiger Musik zur Ausfüllung des Ganzen sehr geschickt; daher wird er auch wahrscheinlich in großen Opernhäusern und bey zahlreicher Besetzung der Stimmen den Rang eines sehr brauchbaren Orchester-Instrumentes so lange behaupten, bis ein anderes Instrument von gleicher Stärke, aber von mehr Mildheit oder Biegsamkeit des Tones erfunden wird, welches zum Vortrage des Generalbasses eben so geschickt ist. In einem Concertsaale, und bey minder starker Besetzung der Stimmen ist der durchschlagende Ton dieses Instrumentes, besonders bey Stellen, die mit schwachem Tone und mit Feinheit des Ausdruckes vorgetragen werden müssen, zu grell, und <588> klingt zu sehr gehackt, weil theils der Spieler mit der rechten Hand bloß die Akkorde anzuschlagen hat, theils weil das Instrument keiner andern Modifikationen der Stärke und Schwäche des Tones fähig ist, als die durch die Abwechslung des Vortrages auf den beyden Clavieren hervorgebracht werden können. Durch diesen Uebelstand veranlaßt, der in Tonstücken nach dem Geschmacke der Zeit, besonders bey schwacher Besetzung der Stimmen, allerdings merklicher ist, als in den ältern Tonstücken, hat man seit geraumer Zeit angefangen, den Flügel mit dem zwar schwächern, aber sanftern, Fortepiano zu vertauschen. In den neuern Zeiten haben sich viele Mechaniker bemühet den Flügel zu vervollkommnen; so hat z.B. Friederici in Gera an demselben eine Bebung angebracht, und Palcal Taskin in Paris hat sich anstatt der Rabenfedern kleiner Stückchen von dazu besonders zubereiteten Ochsenleder bedient. [FN: Siehe Clavesin à peau de buffle.] Siehe übrigens die Artikel Clavessin acoustique, und Clavessin electrique.

Fußnoten:

Fußnote 1 (Sp. 585/586):

Die ältern Instrumente dieser Art hatten das unterste Tonloch doppelt neben einander, so daß man sowohl die rechte, als auch die linke Hand unten haben, und mit Bequemlichkeit des Fingers das eine Loch bedecken konnte. Eines von beyden mußte aber jederzeit mit Wachs verstopft werden.