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Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Ripieno,

<1260> (voll, ausgefüllt,) ist das Beywort, womit man

  1. solche Hauptstimmen bezeichnet, die bey der Ausführung vielfach besetzt, oder von mehrern Personen zugleich vorgetragen werden, wie z.B. die vier Singstimmen eines Chors, oder wie bey voller Orchester-Musik die vier Hauptstimmen, nemlich die erste und zweyte Violine, die Viole und der Baß. Man unterscheidet demnach durch das Beywort ripieno oder durch den Ausdruck Ripienstimme die vielfach besetzten Hauptstimmen eines Chores oder eines Orchesters von solchen Hauptstimmen eines Tonstückes, die nur von einer einzigen Person vorgetragen werden, und die man concertirende und obligate1 Stimmen nennet. <1261> Von dem charakteristischen Unterschiede einer Solo- und Ripienstimme ist schon in dem Artikel Arie gehandelt, und bemerkt worden, daß die Solostimmen den Ausdruck der Empfindungen einzelner Personen, die Ripienstimmen aber den Ausdruck der Empfindungen einer ganzen Menge zum Gegenstande haben.2
     
    Mit dem Worte ripieno werden
  2. auch diejenigen Stimmen bezeichnet, die bloß zur Ausfüllung und Verstärkung eines Tonstückes dienen. Von dieser Beschaffenheit sind theils die sogenannten Füllstimmen, z.E. die Trompeten, Hörner, Hoboen oder Clarinetten, wenn sie nicht obligat gearbeitet, sondern bloß zur Ausfüllung und Verstärkung der Harmonie, oder zur Verstärkung der Hauptstimmen gesetzt sind, theils auch die vervielfältigten Hauptstimmen, die nur bey vollem Chore gebraucht werden; so bezeichnet z.E. in einem Concerte oder in einer Arie der Ausdruck Basso ripieno diejenige Grundstimme, die nur die Ritornelle verstärken, aber bey der Begleitung der Solostimme schweigen soll, damit das Akkompagnement die Hauptmelodie nicht übertöne.
Fußnoten:

Fußnote 1 (Sp. 1259/1260):

Den eigentlichen Unterschied zwischen concertirenden und obligaten Stimmen findet man in dem Artikel Concertirend.

Fußnote 2 (Sp. 1261/1262):

Eine weitläuftigere Abhandlung über diesen Gegenstand findet man in dem zweyten Stücke meines Journals der Tonkunst, unter dem Titel: Ueber den Charakter der Solo- und Ripienstimme.