Home | Impressum
KölnKlavier · Themen
Übersicht Koch, Musikalisches Lexikon  

Koch: Musikalisches Lexikon

Solospieler,

<1413> nennet man überhaupt einen jeden Instrumentisten, der sich besonders zum Vortrage concertirender Stimmen gebildet hat, und pflegt ihn in dieser Rücksicht dem Ripienspieler entgegen zu setzen, der sich mit dem Vortrage der Ripien- oder Füllstimmen beschäftigt. Die Erfordernisse des Solospielers im Gegensatze mit den Erfordernissen des Ripienisten bestehen hauptsächlich in mehr Feinheit des Tones und der Modifikationen seiner Stärke und Schwäche, in einem delicatern und mehr ausgebildeten Vortrage, und in den feinern Nüancirungen der Modifikationen der auszudrückenden Empfindung, und sind in den dahin einschlagenden Artikeln dieses Werkes zerstreut. Ueberdies hat der Solospieler das Recht, jede Solostimme (ohne jedoch den von dem Tonsetzer ihr ertheilten Charakter zu verwischen) nach seiner individuellen Empfindungsart vorzutragen, und sie bey gewissen Stellen mit willkührlichen Manieren auszuzieren. [FN: Siehe Manieren] Hier ist daher nur noch zu bemerken, daß man zwar längst eingesehen habe, daß ein guter Solospieler nicht so weit über den Ripienspieler erhaben sey, als es gemeiniglich das Ansehen gewinnt, und daß es schwer halte einer gewissen Anzahl guter Solospieler eine eben so große Anzahl guter Ripienisten entgegen zu stellen. Ohngeachtet aber dem Verstande dieser Wahrheit einleuchtend <1414> ist, sucht man sie dennoch gemeiniglich wenig zu beherzigen, und behandelt den Ripienspieler (weil seine Beschäftigung im Einzelnen weniger glänzt, als die des Solospielers) gemeiniglich bloß als Handlanger. Hierdurch erzeugt sich der Nachtheil, daß jeder nur als Concertspieler glänzen will, und daß das nicht minder wichtige und viel umfassende Studium des Ripienspielers immer mehr vernachlässigt wird.

Unter Solospieler wollen einige zuweilen auch einen solchen Tonkünstler verstehen, der zwey bis drey Concerte auswendig gelernt hat, mit denselben viel Aufsehen macht, wenn er mehr spielen soll, mit diesen Concerten von vorne anfängt, und nicht im Stande ist, einige Zeilen prima vista zu spielen.