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Koch: Musikalisches Lexikon

Terzett,

<1518> (ital. Terzetto) bezeichnet ein Tonstück von drey concertirenden Singstimmen, die von einer Grundstimme und von verschiedenen Mittelstimmen begleitet werden. Es kömmt sowohl in der Oper als in der Cantate vor, erfordert aber einen Tonsetzer, der mit einem glücklichen Genie und mit allen Kunstgriffen der Harmonie und des doppelten Contrapunktes ausgerüstet ist, weil jede von den drey concertirenden Stimmen eigentlich durchgehends den Charakter einer Hauptstimme behaupten muß. Alle Schwierigkeiten, die schon bey der Bearbeitung eines Duetts zu überwinden sind, und wovon an seinem <1519> Orte gesprochen worden ist, [FN: Siehe Duett] werden im Terzette durch den Beytritt der dritten Hauptstimme noch ungleich vermehrt, so daß dieses Tonstück eine der schweresten Aufgaben für den Tonsetzer wird.

Das Terzett scheint eines derjenigen Tonstücke zu seyn, bey welchen die einer höhern Vollkommenheit entgegen rückende Tonkunst nicht gleichen Schritt mit den übrigen Kunstprodukten gehalten hat. Noch scheinen die ältern Kunstwerke dieser Art, besonders Grauns meisterhafte Terzette, einen überwiegenden Werth vor den mehresten neuern zu behaupten. Die mehresten modernen Tonsetzer machen sich die Bearbeitung des Terzetts, welches in den Opern nach dem Geschmacke der Zeit sehr oft in dem sogenannten Finale der Akte vorkömmt, sehr bequem, und lassen gemeiniglich die tiefste der drey zum Terzette gehörigen Stimmen, anstatt sie als eine concertirende Hauptstimme zu behandeln, in der Form einer Grundstimme hinschleichen. Unter den neuern Kunstprodukten scheinen Mozarts Werke die einzigen zu seyn, in welchen man Terzette von ächtem Schrot und Korne findet.