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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 3

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J.B. Cramer: Große Pianoforteschule in 5 Teilen (1815)

Unter den nachfolgenden Werken ist die

Cramer'sche Klavierschule

lange Zeit das verbreitetste gewesen und genießt selbst heut zu Tage wegen der kurzen und elementaren Behandlung des Objekts noch ausgedehnte Anwendung. Die äußere Haltung des Körpers wird folgendermaßen bestimmt. Der Spielende soll mit Anstand gerade in der Mitte der Klaviatur, weder zu nah noch zu fern sitzen. Die Ellenbogen müssen etwas höher als die Tastatur liegen, die Füße fest auf dem Boden stehen, die Arme weder zu nah noch zu weit vom Körper entfernt sein und die Schultern etwas herunterfallen. Die Hände müssen mit den Ellenbogen in gleicher Richtung schweben <78> und die Knöchel des zweiten, dritten und vierten Fingers herabgedrückt werden. Die Tasten werden mit den äußersten Fingerspitzen, aber nicht mit dem Nagel berührt, und der Daumen muß immer aber der Tastatur schweben. -

Was Cramer sonst sagt, betrifft die Elemente und ist nicht von hervorragender Bedeutung. Seine Regeln aber den Gebrauch der Pedale, deren er fünf angiebt, sind ähnlich wie bei Adam. Die populäre Tendenz des Werkes schließt selbstverständlich jede tiefer eingehende Auffassung aus, und selbst der technische Theil genügt durch zu große Kürze nicht mehr den zeitgemäßen Bedürfnissen. Ueber den Accent wird noch einiges Allgemeine erörtert, doch steht dies weit gegen das früher von Türk darüber Gesagte zurück.

[Textzusatz der 8. Auflage]