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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 3

S. 101 - Texterweiterung der 8. Auflage (1920)

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[Die Seitenzählung entspricht der 8. Auflage.]

X. Scharwenka: Studien im Oktavenspiel

<*101> Durchaus auf demselben Boden hinsichtlich des Oktavspiels steht auch seines Sohnes Franz "Die höhere <*102> Klaviertechnik", op. 14, Leipzig, Leuckart. - Sehr empfehlenswerth sind auch noch andere, die Ausbildung des Oktavenspiels speziell verfolgende Etüdenwerke: von L. Köhler, Oktavenschule, op. 290 (André), J. Vogt, Oktavenschule (Simon), J. Löw, Oktaven-Etüden, op. 281 (Schuberth), Ad. Ruthardt, Oktaven-Studien, op. 41 (Forberg, vorzüglich) und

X. Scharwenka, Studien im Oktavenspiel, op. 78, Breitkopf & Härtel, 1904.

Letzteres Werk ist von einem kleinen Vorwort des Verfassers begleitet. Scharwenka unterscheidet beim Oktavenspiel zwei Bewegungsäusserungen: Schlag und Druck. Durch Schlag gebildete Oktaven können ausgeführt werden: mit der Hand allein (Handgelenkschlag), mit dem Vorderarm (Ellenbogengelenkschlag), mit dem ganzen Arm (Schultergelenkschlag), mit Kombinationsschlag (Handgelenk in Verbindung mit einem der beiden oder mit beiden Armgelenken zugleich in Aktion; die gebräuchlichste Kombination ist die des Handgelenkes mit dem Ellenbogengelenk). Das Schultergelenk wirkt meist nur bei grossen Kraftleistungen und beim Oktavenlegato mit. Selten wirkt Schulter- und Ellenbogengelenk ohne aktives Handgelenk (ganz und gar irrig und veraltet!). Darauf geht der Verfasser in Kürze die einzelnen Arten des Oktavspiels durch. Zur Vorübung fürs Oktavenlegato wird dieses langsam chromatisch geübt. Die Oktaven auf den Untertasten werden meist mit niedriger, die auf den Obertasten mit hoher Handstellung gebildet; zur Erzielung eines guten Legatos wirken der - bei den Untertasten gekrümmte, bei den Obertasten gestreckte - Daumen und abwechselnde Benutzung des 4. und 5. Fingers, starke Muskelanspannung und gestreckter Arm bei den Ober-, leicht gekrümmter Arm (ohne Muskelanspannung) bei den Untertasten. Diese Streckbewegung des Armes wird bei raschem Oktavspiel natürlich aufs äusserste beschränkt. Das Auf- und Niederbewegen des Handgelenkes hat sich - besonders bei dem Oktavenlegato zwischen zwei Untertasten - ununterbrochen, nicht ruckweise zu vollziehen. Im langsamen Tempo kann das Pedal zur Legatowirkung beitragen. Die Bewegungsrichtungen beider Hände beim Oktavzusammenspiel sind wohl zu kontrolliren. Sie ändern sich bereits bei gleichzeitigem Oktavspiel in Terzen und Sexten und differiren am meisten beim Oktavspiel in Gegenbewegung. - Also ein Standpunkt, der in der Lehre vom aktiven Handgelenk, der Fingeroktaven (3, 4, 5 Finger), Tiefstellung der Hand noch auf dem älteren, Th. Kullakschen Standpunkt steht, dagegen in der Betonung einer möglichen Aktivität des Schulter- und Ellenbogengelenkschlages doch modernere Konzessionen macht. Von den Gesetzen der Vibration des ganzen Armes (vgl. u.) von der Unterscheidung zwischen freiem (Mitthätigkeit aller Gelenke) und fixiertem (Mitthätigkeit des Schultergelenkes unter leichter Fixation des Ellenbogens) Oktavspiel findet sich nichts in diesem, durch interessante Beispiele übrigens praktisch vorzüglich brauchbaren Werkchen.

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