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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 12

S. 265 - Texterweiterung der 8. Auflage (1920)

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(Bei unseren klangreichen Instrumenten haben wir das gute Recht, eine Anzahl solcher Manieren, namentlich im schnellen Tempo, wo sie auf unseren ganz anders und durchschnittlich schwer ansprechenden Klaviren doch nicht sauber herausgebracht würden, einfach fortzulassen. Zur richtigen Ausführung der Verzierungen wird man sich immer den fundamentalen Unterschied zwischen denen der vor- und klassischnachklassischen Klaviermusik vor Augen halten müssen. In der alten Klaviermusik sind sie aus dem klangarmen Charakter der damaligen Instrumente und dem Zeitgeschmacke heraus als schmückende Zuthat, in der klassischen und nachklassischen als organisch aus innerer Nothwendigkeit heraus geborene und ganz und gar nicht ausschließlich als "Verzierungen" aufzufassende Bestandtheile des Klaviersatzes aufzufassen. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, <*263> ob die der Note voraufgehende oder ihr überschriebene Verzierung vor oder auf die Taktzeit, ob sie accentuiert zu geben ist oder nicht, welcher dynamische Werth ihr im Vergleich mit der Hauptnote zukommt. Ueber alles giebt namentlich Riemanns § 12 in seiner "Vergleich. Klav.-Schule" erschöpfendste und von geschichtlichen Exkursen begleitete Auskunft).

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