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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 13

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Es sei gestattet, fortan nur kurz den Gang der weiteren Methodik anzudeuten.

Sobald ein größerer Umfang von Tönen in die früheren metrischen Beispiele eingetreten ist, wird das Zusammenspiel beider Hände in der Verschiedenheit seiner Verhältnisse den nächsten Fortschritt bilden. Bisher spielte eine Hand allein, später mit der anderen im Octaveneinklange. Jetzt werden in stufenweiser Steigerung die einfachsten Verhältnisse zu zusammengesetzter Metrik verbunden. Will die Methodik hier praktisch verfahren, so hat sie eine große Reihe von Beispielen zu entwerfen, von denen wir zwei anführen wollen. Das erste könnte den Anfang bilden, das zweite sich unter den letzteren vorfinden. <272>

[Notenbeispiel S. 272, Nr. 1]

Jetzt erst muß in einem neuen Kapitel die ganze Eintheilung aller Noten und Pausen, sowie der verschiedenen Taktarten mitgetheilt werden. Jene ist ein Gegenstand, der, so leicht er dem guten Rechner erscheint, dem Klavierschüler oft viel Schwierigkeiten macht, besonders wo die arithmetische Bildung nicht genügend vorausgegangen, wie dies bei Kindern häufig der Fall ist. - Unter solchen Umständen sind Rechenstunden zwischen die Musikstunden einzuschieben, und dürften solche auch manchem vorgerückten Schüler heilsam sein. Denn es kommt nicht nur darauf an, die durch einfache Halbirung entstehenden Bruchverhältnisse bis zu 1/128 geläufig bilden, sondern auch die Werthverhältnisse jedes einzelnen Gliedes zu jedem beliebigen anderen schnell bestimmen zu können. Zu diesem Zwecke ist eine Reihe von Tabellen vom Schüler selbst anzufertigen und in einem besonders dazu angelegten Hefte aneinander zu stellen. Die erste umfaßt eine genaue Ubersicht der durch Halbierung entstehenden Noten von der ganzen an bis zu den Hundertachtundzwanzigtheilen; die zweite eine gleiche über die entsprechenden Pausen; eine dritte, die durch Triolen entstehende auf Dreitheilung beruhende, von der ganzen an bis zu den Hundertachtundzwanzigtheilen; eine vierte, die Uebersicht aller Notenwerthe, die durch Hinzufügung eines Punktes an die bisher gelernten Noten entstehen; eine fünfte giebt eine ähnliche Uebersicht über die Noten mit zwei Punkten. <273> Die zuletzt genannten beiden Tabellen können sich unter Umständen auch zu vier erweitern, wofern der Schüler an den Trioleneintheilungen mit einem oder zwei Punkten besonderen Anstoß findet. - Es ist nun aber keineswegs genügend, jede einzelne der hier bezeichneten Tabellen und die Werthverhältnisse ihrer Bestandtheile unter sich geläufig auswendig zu wissen; eine neue Anforderung geht dahin, die Elemente jeder Tabelle auch in ihren Werthverhältnissen zu denen jeder anderen mit Sicherheit bestimmen zu können. Eine Frage wie folgende: "Wie verhalten sich die Geschwindigkeiten von einer Achtelnote mit zwei Punkten zu Vierundsechzigtheilen in Triolen?" würde auch manchem guten Rechner einige Secunden des Nachdenkens abnöthigen. In solchen Verhältnissen muß der Schüler aber genau bewandert sein, und es ist zweckmäßiger, in besonderen Rechenstunden solcherlei Kenntniß zusammenhängend und gründlich zu erwecken, als sie nebenhergehend in den Musikstunden zu berühren, wo sie gewöhnlich nach einiger Zeit wieder entschwunden sind.