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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 15

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2. Wiederholen sich einzelne Töne, Figuren, Motive, selbst melodiöse Wendungen zu mehreren Malen auf derselben oder auf einer nicht erheblich sich verändernden Tonhöhe, so sind solche entweder crescendo, oder abwechselnd crescendo und decrescendo vorzutragen. Der Ausdruck kann dies häufig in der ursprünglichen Vorstellung des Komponisten erfordern; anderenfalls ist die Monotonie solcher Stellen durch die gegebene Regel zu mildern. - Die letztere behält oft selbst bei Begleitungen ihr Recht.

Beispiele:

Beethoven Op. 14 [Nr. 1, 1. Satz].

[Notenbeispiel S. 324, Nr. 1: Beethoven, Klaviersonate op. 14,1 - 1. Satz]

Lang aushaltende Triller auf einem Tone gehören ebenfalls hierher, wie z.B. der am Ende der Cis-moll-Sonate, welcher abwechselnd <325> crescendo und decrescendo vorgetragen werden kann.

Noch anschaulicher ist das Beispiel des Beethovenschen Trauermarsches Op. 26, in welchem die Melodie über sechs Takte hindurch auf einem Tone steht, im fünften Takte aber nach Vorschrift ein Crescendo erhält, das im sechsten wieder in piano übergeht.

Ebenso gehört hierher die Stelle im Finale von Beethovens D-moll-Sonate, welche in folgender Weise vorzutragen ist:

[Notenbeispiel S. 325, S. 1: Beethoven, Klaviersonate op. 31,2 - 3. Satz]

Ferner:

Beethoven, Bagatelle Nr. 1.

[Notenbeispiel S. 325, Nr. 2: Beethoven, Bagatelle op. 33,1]

Analoge Stellen enthält das Finale von Mendelssohn's Fis-moll-Phantasie [op. 28], z.B.

[Notenbeispiel S. 325, Nr. 3: Mendelssohn, Fantasie op. 28]

Schumann's Fis-dur Romanze verlangt dieselbe Klangschattirung in dem wiederholten cis am Schluß, um so mehr als das zarte, träumerische Verhallen dadurch besser zum Ausdruck kommt.