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Mattheson: Der vollkommene Capellmeister

Teil 2, Kap. 13 [Seite 19 von 41]

[Gattungen der Instrumentalmusik:]

Einleitung

<223> §. 79. Oben ist schon erwehnet worden, daß bey Instrumental=Sachen alles beobachtet werden müsse, was die Setz=Kunst von den Vocal=Melodien erfordert; ja, offt ein mehres. Solches wird hiemit bekräfftiget, da wir zu den Spiel=Melodien und deren Gattungen schreiten. Denn <224> da hat man erst auf die Gemüths=Neigungen zu sehen, die mit blossen Klängen, ohne Worte, ausgedruckt werden sollen; hernach auf die Einschnitte der Ton=Rede, wobey die Worte uns den Weg nicht weisen können, weil sie nicht gebraucht werden, drittens auf den Nachdruck, auf die Emphasin; viertens auf den geometrischen; und fünfftens auf den arithmetischen Verhalt. Man sehe nur die allerkleineste Melodie an, so wird sichs wahr befinden.

§. 80. Wie nun in der gantzen Natur und allem erschaffenen Wesen kein eintziger Leib ohne Zergliederung recht erkannt werden mag: so will ich immer der erste seyn, der eine Melodie zerleget und ihre Theile ordentlich untersuchet. Zur Probe solls fürs erste einem Menuetgen gelten, damit iedermann sehe, was ein solches kleines Ding im Leibe hat, wenns keine Misgeburt ist, und damit man von geringen Sachen auf wichtigere ein gesundes Urtheil fällen lerne.