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Mattheson: Der vollkommene Capellmeister

Teil 2, Kap. 13 [Seite 29 von 41]

Passepied

§. 113. Zu den hurtigen Melodien gehöret noch

X. Le Passepied, entweder

Sein Wesen kömmt derLeichtsinnigkeit ziemlich nah: denn es finden sich bey der Unruhe und Wanckelmüthigkeit eines solchen Passepied lange der Eifer, der Zorn oder die Hitze nicht, die man bey einer flüchtigen Gique antrifft. Inzwischen ist es doch auch eine solche Art der Leichtsinnigkeit, die nichts verhaßtes oder misfälliges, sondern vielmehr was angenehmes an sich hat: so wie manch Frauenzimmer, ob es gleich ein wenig unbeständig ist, dennoch ihren Reitz dabey nicht verlieret.

§. 114. Bey den Schiffsleuten in Frankreich nehmlich in Bretagne, hat diese Tantz=Melodie ihren Ursprung. Das ist gewiß. Ob aber das wanckende und veränderliche See=Element hiebey seinen Einfluß habe, solches will ich ungesagt seyn lassen.

<230> §. 115. Diejenige Art des Passepieds, welche offt in weltlichen Symphonen gebrauchet wird, gewinnet eine andre Gestalt, durch das vorhergehende und nachfolgende in solchen Instrumental=Stücken, und dienet nur statt eines Allegro oder hurtigen Zusatzes: Denn nicht selten schließt sich dergleichen Symphonie, zumahl bey den welschen Setzern, mit einer solchen Tantz=Weise. Die Frantzosen hergegen wenden sie bloß zur Uibung ihrer Füsse an: Uns Teutsche mag nichts hindern, wenn etwa Gemüths=Bewegungen aufstossen sollten, die mit obigen übereinkämen, wenigstens den Rhythmum, wo nicht die Form eines Passepied mitzunehmen.