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Quantz: Anweisung - Kap. 18

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§. 45. Ein Trio erfodert zwar nicht eine so mühsame Arbeit, als ein Quatuor; doch aber von Seiten des Componisten fast eben dieselbe Wissenschaft; wenn es anders von der rechten Art seyn soll. Doch hat es dieses voraus, daß man darinne galantere und gefälligere Gedanken anbringen kann, als im Quatuor: weil eine concertirende Stimme weniger ist. Es muß also in einem Trio

  1. ein solcher Gesang erfunden werden, der <303> eine singende Nebenstimme leidet.
  2. Der Vortrag beym Anfange eines jeden Satzes, besonders aber im Adagio, darf nicht zu lang seyn, weil solches bey der Wiederholung, so die zweyte Stimme machet, es sey in der Quinte, oder in der Quarte, oder im Einklange, leichtlich einen Ueberdruß erwecken könnte.
  3. Keine Stimme darf etwas vormachen, welches die andere nicht nachmachen könnte.
  4. Die Imitationen müssen kurz gefasset, und die Passagien brillant seyn.
  5. In Wiederholung der gefälligsten Gedanken muß eine gute Ordnung beobachtet werden.
  6. Beyde Hauptstimmen müssen so gesetzet seyn, daß eine natürliche und wohlklingende Grundstimme darunter statt finden könne.
  7. Soferne eine Fuge darinne angebracht wird, muß selbige, eben wie beim Quatuor, nicht nur nach den Regeln der Setzkunst richtig, sondern auch schmackhaft, in allen Stimmen ausgeführet werden. Die Zwischensätze, sie mögen aus Passagien oder andern Nachahmungen bestehen, müssen gefällig und brillant seyn.
  8. Obwohl die Terzen= und Sextengänge in den beyden Hauptstimmen eine Zierde des Trio sind; so müssen doch dieselben nicht zum Misbrauche gemachet, noch bis zum Ekel durchgepeitschet, sondern vielmehr immer durch Passagien oder andere Nachahmungen unterbrochen werden. Das Trio muß endlich
  9. so beschaffen seyn, daß man kaum errathen könne, welche Stimme von beyden die erste sey.

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