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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

[Friedrich der Große]

<94> Friedrich der Große selbst vollendet endlich die Rolle des erhabenen musikalischen Schauspiels zu Berlin. Hinter ihm war es Nacht, und vor ihm ging ein Licht auf, in welchem sich ganz Europa sonnte und wonnte. So wie er in allem Schöpfer war, so auch in der Tonkunst. Aeußerste auf Urgrundsätze zurückgeführte Genauigkeit, war sein erstes Gesetz. Diesem Gesetze blieb er unwandelbar treu, und ließ die modischen Erfindungen in der Tonkunst, eben so gleichgültig darum schwärmen und sausen, – wie den Schlachtsturm um seine Ohren. Er hörte alles. Die größten Virtuosen der Welt hatten in Berlin ihr Odeum; er aber urtheilte immer nach seinen einmahl angenommenen Grundsätzen. Alle Gaukeleyen der Tonkünstler ohne inneres Mark, daß <95> heißt, ohne richtig bestimmte Theorie, – glitschten an seiner Felsenseele wie Staubregen ab. Er selber spielte die Flöte als Meister, accompagnirte vortrefflich mit dem Flügel, und verstand den Satz meisterhaft. Zu vielen der Graunischen Arien hat er die Motiven angegeben. Mit einem Wort: Friedrich der Große ist auch der Schöpfer einer der ersten musikalischen Schulen, so wie er der Schöpfer einer der berühmtesten politischen und tactischen Schulen der Welt ist.