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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

[Toeschi, Carlo Giuseppe]

<138> Toeschi. Der zweyte Concertmeister des großen Pfalzbayerschen Orchesters. In der Bogenlenkung ist er bey weitem kein Canabich: dieser befehligt Heere; jener kaum ein Bataillon. Indessen besitzt er doch etwas ganz Eigenthümliches: er hat sich eine besondere Manier im Symphonienstyl zu eigen gemacht, von ausnehmender Kraft und Wirkung, Sie beginnen mit Majestät, und strudeln so nach und nach im Crescendo fort; spielen voll Anmuth im Andante, und enden sich im lustigen Presto. Doch fehlte ihm die Mannigfaltigkeit; denn hat man eine Symphonie von ihm gehört, so hat man sie alle gehört. Canabich hat es mit Wassertrinken weiter gebracht, als dieser mit Weintrinken. Toeschi errang sich einen Lorbeer, wand sich ihn <139> pflegmatisch ums Haupt, und entschlief darauf ganz sanft. Seine Ballete sind mit äußerster Delicatesse bearbeitet: man sieht die Tänzer in seinen Partituren, und nichts ist leichter, als Worte unter seine Zaubermelodien zu legen, so rhytmisch sind sie. Süßigkeit, holde Anmuth, und lichte Harmonie – sind sein Hauptcharakter. Er scheint mehr ein Schüler der Natur als der Kunst zu sein; daher kommt so wenig Contrapunctisches in allen seinen Sätzen vor. Toeschi raffinirt nicht, er überläßt sich ganz dem Ausguß seines Genies. Vielleicht ist er außer Florian Deller der erhabenste Dollmetscher eines Noverre's.