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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

Rosetti [d.i. Rösler, Franz Anton]

<167> Rosetti. Einer der beliebtesten Tonsetzer unserer Zeit. Auf allen Clavieren sieht man jetzt Rosettische Stücke, aus allen jungfräulichen Kehlen hallen seine Lieder wieder. Und gewiß, es läßt sich kaum etwas Leichteres, Lichtvolleres, Honigsüßeres denken, als die Stücke dieses Mannes. Die Naivetät ist sonderlich sein Hauptzug. So leicht aber seine Sätze aussehen, so schwer sind sie vorzutragen, wenn man kein eigenes Herzgefühl hat. Der bloße musikalische Luftspringer, der bloß in Saltomortalen seinen Ruhm sucht, wird scheitern, wenn er <168>ein Rosettisches Werk vortragen soll. Die Grazie und Schönheit ist so unendlich feiner Natur, daß man nur mit der Hand zucken darf, so ist ihr zarter Umriß zerstört, und das Venusbild wird eine Fratze. – Dieses Grundgesetzt gilt in einem hohen Grade vom Vortrag der Rosettischen Compositionen: auf einem bekielten Flügel wirken sie nur schlecht; auf einem Steinischen Fortepiano stark; am meisten auf einem Silbermannischen Clavicorde.

Rosetti setzte auch manches für die Kirche. Sein Requiem auf den Tod der Prinzessin von Taxis ist ungemein schön; hat aber das Feyerlicherhabene, das Todahnende, das Trostvolle der Auferstehung nicht so, wie Jomellische Requiem. Er tändelt zu viel mit blasenden Instrumenten. Das Näseln der Trompeten mit Sartinen fällt beynahe ins Komische, und zerstört die Eindrücke der schwermüthigen Andacht. Auch versteht er den Contrapunct nicht tief genug, um eine Fuge mit Kraft und Nachdruck durchzuarbeiten. Rosetti ist der erste Italiäner, welcher deutsche Poesie musikalische bearbeitete. Da er die deutsche Sprache tief studiert hat, so sind ihm diese Arbeiten meist ungemein gut gelungen. Lieder der Liebe und sanftwallende Empfindungen gelingen ihm am meisten.