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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

Köln.

<184> In den vielen Kirchen dieser großen Stadt tönen die vortrefflichsten Modetten, Messen und Antiphonen wieder – mehr aber von Geistlichen als von besoldeten Musikern. Die Chorknaben singen daselbst bis zum Entzücken schön, und unter den vielen Geistlichen trifft man Tenor- und Baßstimmen vom ersten Range an. Die Instrumentenbegleitung ist, wie man leicht erachten kann, eben nicht die vortrefflichste; aber doch hinreichend gut besetzt. Der Styl in Köln ist fast wie Mainz, nur hat er eine etwas modernere Miene. Unter den Chorregenten gibt es ganz vorzügliche Organisten. Pater Bauer, und eine Nonne, Nahmens Agatha, sind wahre Orgelvirtuosen. Auch trifft man in den Nonnenklöstern oft himmlische Stimmen an.

Der Churfürst hat nur eine mäßig besetzte Hofmusik, die ehemahls der berühmte Schmidbauer lenkte. Unter dem Orchester hat sich kein Mitglied bis zur Virtuosenschaft ausgezeichnet. Eine der Hauptursachen ist wohl diese, daß die dasigen Musiker sehr schlechten Gehalt genießen. Desto größer ist der Eifer für die Musik in Privatfamilien: man findet da mehr als einen Cavalier, mehr als eine Dame, die es in der Musik bis zur <185> Meisterschaft getrieben haben. Ob nun gleich Köln in den neuesten Zeiten keine sonderliche Rolle in der Musik spielt; so verdient doch zu seiner Ehre angemerkt zu werden, daß im J. 855 der erste christliche Kirchengesang daselbst gehört wurde. Von dieser Zeit an dauerte die Begeisterung der Kölner für die Kirchenmusik fort; und in diesem großen Style glänzen sie noch heutiges Tages.

[Siehe auch S. 65: Schubart führt an, daß in Köln erstmals eine Orgel auf deutschem Boden erwähnt wird (13. Jh.).]