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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

[Schobert]

<230> Schobert, ein außerordentlicher feuriger Flügelspieler. Er hat viele Jahre den Ton in Frankreich angegeben, und noch jetzt glänzen seine Concert und Sonaten in den ersten musikalischen Zirkeln zu Paris. Er verstand die Natur des Flügels vollkommen, und besaß im Allegro und Presto eine ungewöhnliche Stärke. Nur das Adagio gelang ihm nicht, weil er das Clavicord nicht genug studierte, und die Empfindung mit Läufern und überhäuften Verzierungen erdrückte. Er schwang sich durch sein außerordentliches Talent bis zur wichtigen Stelle eines Organisten in Versailles empor – und starb, ehe er völlig ausgezeitigt war, an vergifteten Erdschwämmen. Sein unermüdeter Fleiß hat uns eine Menge Stücke geliefert, worunter man aber eine Auswahl <231> treffen muß; denn er setzte vieles für Schüler und Schülerinnen von mittelmäßigem Fassungsvermögen. Ein trauriger Umstand, der manchen großen Meister veranlaßt, weit unter seine Sphäre herabzusinken! – Was er für sich selbst setzte, war immer im besten Style geschrieben, und verrieth häufig Spuren einer Feuerseele.

Sein Bruder Schobert lebt noch jetzt als der erste Fagotist in Paris.