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Chr.Fr.D. Schubart: Ästhetik der Tonkunst

Burney, Charles

<258> Burney, Doctor der Musik, – hat sich durch seine musikalische Reisen und sonderlich durch seine Geschichte der Tonkunst in ganz Europa bekannt gemacht. Zwar enthalten seine Reisen einen Reichthum von richtigen und gediegenen Bemerkungen, und verrathen ungemein viel musikalische Kenntnisse: allein seine Urtheile sind zu brittisch, d.i. zu kühn, und oft ganz und gar unrichtig. Ebeling, der Uebersetzer dieser Reisen, und Reichard haben ihm dieß aufs nachdrücklichste bewiesen, und seine Irrthümer, auch oft seine Verleumdungen großer Männer mit deutschem Muthe gerügt. Burney reiste viel zu schnell und flüchtig, als daß er mit philosophischer Kälte hätte Beobachtungen anstellen können. Uns Deutschen läßt er bey weitem nicht die gehörige Gerechtigkeit widerfahren. Er räumt uns bloß Kunstfertigkeit und Fleiß ein, spricht uns aber das musikalische Genie ab – eine Verleumdung, welche durch die ganze Geschichte der Tonkunst, zur Ehre unsrer Nation widerlegt wird.

Seine musikalische Geschichte, woran er zwanzig Jahre lang sammelte und schrieb, enthält zwar einen schwelgenden Aufwand von Gelehrsamheit, wozu derjenige leicht gelangen kann, der Geld genug hat; allein das <259> Werk wimmelt von Irrthümern; sein Urtheil ist nicht original, sondern meist französich und sein ästhetisches Gefühl will gar nicht viel sagen.

Eschenburgs Uebersetzung dieses Werks hat inzwischen viele von diesen auffallenden Fehlern hinweggewischt.