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Sulzer: Theorie der Schönen Künste

Loure.

(Musik und Tanzkunst.)

<292re> Ein kleines Tonstük zum Tanzen, dessen Ausdruk Ernst und Würde, auch wol Hoheit ist. Der Takt ist 3/4, und die Bewegung langsam. Es fängt im Aufschlag an nach dieser Art:

[Notenbeispiel:] Achtel Viertel / Viertel Achtel Viertel / ,

und besteht aus zwey Theilen, jeder von 8, 12 bis 16 Takten. Man zwar Louren in <293li> 6/4 Takt, der eigentlich als ein Alla-breve von 3/4 anzusehen ist.

Um den Einschnitt nach dem ersten punktirten Viertel jedes Takts im Vortrag fühlbar zu machen, muß auf der Violin die Achtelnote wie ein Sechszehntheil hinauf, die darauf folgenden zwey Viertel aber stark herunter gestrichen, und besonders das punktirte Viertel schwer angehalten werden.

Man findet bisweilen bey alten guten Komponisten, daß sie, sowol in diesem, als andern Tänzen, im ungeraden Takte zwey Takte zusammen ziehen, und anstatt:

[Notenbeispiel:]
3/4 Takt: Halbe Viertel - Ligatur / Viertel Halbe
also
3/4 Takt: Halbe Halbe Halbe

setzen.

Dieses hat seinen guten Nutzen, weil die meisten Spieler den Fehler begehen, daß sie, wenn eine solche Stelle nach der ersten Art geschrieben ist, die zweyte gebundene Note besonders andeuten, welches dem wahren Vortrag an solchen Stellen gerade entgegen ist. Man muß aber bey solcher Zusammenziehung zweyer Takte sie nicht für einen einzigen zählen, weil man sonst, wie einigen neueren begegnet ist, im Rhythmus fehlet und anstatt der acht Takte, neune bekömmt.

Zum Tanzen erfodert die Loure einen hohen Antstand mit allem ihm zukommenden Reiz verbunden. Wegen der Langsamkeit der Bewegungen gehört viel Stärke zu Erhaltung des vollkommenen Gleichgewichts. Man sucht die besten Tänzer hiezu aus. Gar oft aber machen sie von ihrer Stärke den Mißbrauch, daß sie schwere, obgleich unnatürliche Schwebungen der Schenkel anbringen, die blos eine ungewöhnliche Kraft der Sehnen anzeigen, sonst aber zum sittlichen Ausdruk nichts beytragen. Man kann von diesem Tanz anmerken, was von dem Largo in der Musik gesagt worden [Largo]; er muß kurz seyn, sonst wird er, selbst für den Zuschauer, ermüdend.