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Türk: Klavierschule

Kap. 4, Abs. 3 (k)

(k) Von dem Doppelschlage. [§. 71-77]

<282> §. 71. Der Doppelschlag (Doublé) ist unstreitig eine der schönsten und brauchbarsten Manieren, wodurch der Gesang ungemein reizend und belebt wird. Daher kann auch der Doppelschlag sowohl in Tonstücken von zärtlichem, als munterm Charakter, über geschleiften und gestoßenen Noten, angebracht werden. Die Ausführung desselben ist an und für sich leicht, aber ziemlich verschieden, und blos in dieser Rücksicht schwer. Man pflegt nämlich den Doppelschlag hauptsächlich auf viererley Arten zu gebrauchen;

  1. kommt er allein vor, und in sofern kann er schlechthin der Doppelschlag heißen;
  2. fügt man oft noch ein kleines Nötchen (auf eben der Stufe) hinzu, und dann wird er der geschnellte Doppelschlag oder die Rolle genannt;
  3. gehen zuweilen zwey kleine Nötchen vorher, wodurch <283> er die Benennung der Doppelschlag von unten, oder der geschleifte Doppelschlag &c. erhält;
  4. kann er mit dem Pralltriller verbunden werden, in welchem Falle man ihn den prallenden Doppelschlag &c. zu nennen pflegt.

§. 72. Der Doppelschlag allein wird gewöhnlich durch das Zeichen bey (a) oder (b) angedeutet. Auch pflegen ihn verschiedene Komponisten durch drey kleine Nötchen (c), oder so wie bey (d) zu bezeichnen. Die Ausführung, welche größtentheils geschwind seyn muß, habe ich bey (e) (f) und (g) bestimmt. In Ansehung der Versetzungszeichen bey (h) (i) (k) (l) und (m) werden die beygefügten kleinen Nötchen hoffentlich einen hinlänglichen Aufschluß geben. Uebrigens warne ich noch vor der zwar gewöhnlichen, aber fehlerhaften, Ausführung bei (n); denn der Doppelschlag (ohne Zusatz) muß allemal mit dem Hilfstone (über der vorgeschriebenen Note) angefangen werden, wie bey (e).

[...]

<285> §. 75. Verschiedene Komponisten schreiben zuweilen das Zeichen des Trillers oder Mordenten über Stellen, wobey diese beyden Manieren, wegen der Kürze der Noten, oder aus andern Gründen, nicht bequem angebracht werden können. Der Klavierspieler kann in solchen Fällen ohne Bedenken, für jene Manieren, den Doppelschlag gebrauchen. Die nachstehenden Beyspeile sind von der Art.

<286> §. 76. Wenn das Zeichen des Doppelschlages nicht gerade über der Note, sondern etwas seitwärts (rechts) (a) (b), oder über einem Punkte (c) steht: so wird der Doppelschlag nicht beym Eintritte des vorgeschriebenen Tones, sondern später d.h. kurz vor dem folgenden Tone (oder Punkte) ausgeführt. Durch die in der zweyten Notenreihe beygefügte Eintheilung läßt sich dies genauer bestimmen.

[Anmerkungen zu den Notenbeispielen:]

*) Dies ungefähr bezieht sich auf die geschwindere oder langsamere Bewegung, worauf man Rücksicht zu nehmen hat. (Siehe S. 283 §. 72.)
**) Daß hierbey die zweyte Hauptnote, (nach dem Punkte,) nämlich das letztere b, nur wie ein Zwey und Dreyßigtheilchen gespielt wird, kommt daher, weil man die punktirten Noten, auf Kosten der folgenden kürzern, gern verlängert. In geschwinder Bewegung wähltman die Eintheilung bey (+).

Die mehrsten Anfänger, auch wohl Geübtere, fangen in ähnlichen Fällen die Manier zu früh an. Wenn eins von beyden seyn sollte, so wäre hierbey das Gegentheil besser. Besonders muß bey punktirten Noten der letzte (vierte) Ton des Doppelschlages erst in die Zeit des Punktes fallen, wie in den Beyspielen (c). Manche Komponisten schreiben die Doppelschläge, vorzüglich in Fällen von der oben bey (b) und (c) angezeigten Art, mit in die Zeile, wie hier [Notenbeispiel (d) - (e)]. <287>

Dies verändert in der Eintheilung nichts. Die Schreibart bey (e) ist noch bestimmter und richtiger, als die bey (d).

[...]