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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III

B.

2tes Kapitel.

[a] Über die Anwendung aller Abstufungen des Legato und Staccato.

<14> § 1. Das Halten, Tragen und Abstossen der Tasten kann eben so, wie die Stärke und Schwäche, in fünf Grade eingetheilt werden; nämlich:

  1. Das Legatissimo; wobei jeder Finger länger als die Dauer der Note vorschreibt, auf den Tasten liegen bleibt. Dieses ist nur bei gebrochenen Accorden eigentlich anwendbar, und man hat wohl darauf zu achten, dass nur consonierende, (das heisst wohlklingende, zum Accord gehörige) Töne auf solche Art gehalten werden. Z.B:

[Notenbeispiel 14-3]

<15> Hier wird in der rechten Hand der oberste, und in der Linken der unterste Ton so lange gehalten, als ob er nebstbei als Viertelnote bezeichnet wäre; so wie auch die mittern Finger sich erst dann heben, wenn sie wieder anzuschlagen haben. Ungefähr so:

[Notenbeispiel 15-1]

Bei geschwinden gebrochenen Accorden, die nicht als brillante Passage, sondern nur als Verstärkung der Harmonie-Fülle anzusehen sind, gilt dasselbe. Z.B:

[Notenbeispiel 15-2]
  1.  
  2. Das Legato; durch dieses wird auf dem Pianoforte der Gesang, so wie die gebundene Harmonie hervorgebracht, und der Spieler hat, indem er jeden Ton genau so lange hält, bis der nächstfolgende kommt, soviel die Natur des Instruments zulässt, durch dasselbe die Wirkung der Menschenstimme oder eines Blasinstrumentes nachzuahmen.

  3. Das Halb-Staccato, oder getragenes Spiel, das zwischen Schleifen und Stossen in der Mitte liegt, und jedem Ton ein besonderes Gewicht gibt, ohne ihn an den Folgenden zu binden. Die auf diese Art angeschlagenen Töne erhalten eine besondere Bedeutung, eine Wichtigkeit, welche, besonders im langsameren Tempo, keine andere Vortrags-Art ersetzen kann.

  4. Das Staccato. Das Abstossen der Töne bringt ein frisches Leben in die Musik, und das Ermüdend Abspannende, welches ein immerwährendes Binden der Töne auf den Hörer zuletzt hervorbringen müsste, wird durch das abwechselnde Absondern, und die dadurch bewirkten Ruhepunkte, vermieden.

  5. Das Marcatissimo, (martellato, gehämmert) steigert dieses Abstossen, am gehörigen Orte, bis zum kürzesten Aufblitzen der einzelnen Töne, und legt, selbst in die, an sich leichten, unbedeutenden Stellen, die Wirkung glänzender Bravour und Überwindung grosser Schwierigkeit.