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Czerny: Pianoforte-Schule ... op. 500,III

7tes Kapitel. Vom Gebrauch des Mälzelschen Metronoms (Taktmessers.)

<48> § 1. Das Mälzelsche Metronom, (von welchem wir vorzüglich die bessere, lautschlagende Gattung hier besprechen,) ist eine sehr wichtige Erfindung der neuern Zeit, und jeder, der dasselbe gehörig zu benützen weiss, kann daraus entschiedene Vortheile ziehen.

§ 2. Das Metronom hat einen mehrfachen Zweck:

1tens Kann man das vom Tonsetzer gewünschte Tempo auf das Genaueste erfahren, und für alle Zukunft aufbewahren.

2tens Kann schon der Anfänger durch zweckmässige und vorsichtige Benützung desselben einen Begriff vom strengen Takt halten bekommen.

<49> 3tens Kann der vorgerückte Spieler den so häufigen Fehler des Übereilens und der Ungleichheit des Takthaltens sich durch dasselbe vollkommen abgewöhnen.

4tens Endlich kann selbst der schon ausgebildete Künstler die Festigkeit, so wie die Gleichheit seines Spiels, besonders bei Tonstücken mit Accompagnement anderer Instrumente oder des Orchesters vermittelst des Metronoms stärken und bewahren.

§ 3. Die meisten neueren Tonsetzer bedienen sich bereits desselben, um dadurch das von ihnen festgesetzte Tempo anzuzeigen, und man findet dessen Zeichen vor dem Anfang eines jeden Tonstückes.

Wenn daher zum Beispiel die Vorzeichnung kommt:

M.M. [Viertel] = 112, so rückt man das mettallene, an der vordern mit Einschnitten versehenen Stange angebrachte Dreick genau auf jenen Einschnitt, der mit der rückwärts befindlichen Zahl 112 in einer Linie steht, lässt die Stange frei schlagen, und spielt jede Viertelnote genau nach den hörbaren Schlägen des Metronoms. Wäre die Vorzeichnung [Achtel] = 112, so hat jede Achtelnote dieselbe Geschwindigkeit; - oder [Halbe] = 112, dann muss jede Halbenote eben so schnell sein.

Die Schläge des Metronoms vermehren ihre Geschwindigkeit durch das Herabdrücken des Dreiecks.

Die oberste Nummer (50) ist die langsamste.

Man muss jedesmal das Metronom einige Male allein schlagen lassen, ehe man zu spielen anfängt, um sich mit der Dauer der Schläge vertraut zu machen. Z.B:

[Notenbeispiel 49]

Man sieht, dass auf diese Weise alle möglichen Gattungen des Tempo angezeigt werden können. So z.B. ist bei d.) das angezeigte Tempo [punktierte Halbe] = 88, folglich dauert ein ganzer Takt nur einen Schlag des Metronoms; und dieses ist das wahre, jetzt gebräuchliche Tempo für Walzer.

Bei f.) (Adagio [Achtel = 92) kommen 8 Schläge des Metronoms auf einen Takt. Bei g.) kommen drei Achteln auf einen Schlag; und bei h.) gar alle 6 Achteln auf einen Schlag des Zeitmessers. u.s.w.

<50> § 4. Wenn man bei Anfängern das Metronom benutzen will, so darf dieses nur bei jenen Stücken geschehen, welche schon vollkommen richtig und ohne Stottern gegriffen werden.

Der Lehrer hat da auf dem Metronom dasjenige Tempo anzuzeigen, welchem der Schüler ohne Schwierigkeit nachfolgen kann. Nach und nach ist sodann dieses Tempo stets um eine Nummer schneller zu nehmen, bis der Schüler das gehörige Tempo erreicht hat.

§ 5. Für diejenigen, leider sehr zahlreichen Spieler, welche sich das Übereilen des Tempo und Taktlosigkeit angewöhnt haben, gibt es kein besseres Mittel als das Metronom. Man muss in diesem Falle die Geduld haben, durch mehrere Monathe alle bereits einstudierten Stücke vorzugsweise mit dem Metronom, und zwar anfangs in einem mehrere Nummern langsameren Tempo durchzuüben, bis das Gehör und Gefühl sich an die Symmetrie des Zeitmasses, diesen so wichtigen Bestandtheil der Tonkunst, völlig gewöhnt hat, und bis die Finger aufhören, unwillkührlich davon zulaufen.

§ 6. Übrigens ist beim Gebrauch des Metronoms wohl zu merken, dass man da jenen Vortrag nicht anwenden kann, welcher im Ritardando und Accelerando besteht, weil das Metronom stets mit unbarmherziger Genauigkeit fortschlägt. Wenn daher Verzierungen vorkommen, welche man nicht in das feste Tempo einzwängen kann, so muss man einstweilen entweder über dieselben flüchtig hingleiten, oder während denselben die Taktschläge unbeachtet lassen. Solche Stellen sind daher erst dann gehörig zu üben, wenn man das Metronom wieder bei Seite setzt.

§ 7. Wenn man ein Tonstück mit dem Metronom einübt, so muss man anfangs um mehrere Nummern langsamer spielen. Wenn Z.B: das Stück mit [Viertel] = 138 bezeichnet ist, so spielt man es anfangs einigemal mit [Viertel] = 116, hierauf eben so oft mit [Viertel] = 120, und so fort von Nummer zu Nummer, bis man es bequem mit [Viertel] = 138 vortragen kann.

§ 8. Das Metronom muss beim Gebrauch stets auf völlig ebenem Grunde, und nie schief stehen, weil sonst die Taktschläge ungleich werden.