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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels

Erstes Vorwort zur zweiten Auflage.

<V> Es gereichte mir zur freudigen Genugthuung, daß die von meinem verstorbenen Bruder verfaßte "Aesthetik des Klavierspiels", das Denkmal eines in Kunst und Wissenschaft gleich ernsten und fruchtbaren Geistes, ihre Lebensfähigkeit so trefflich bewährte, daß jetzt eine neue Auflage nöthig wurde. Leider erweckte meine an sich schon ziemlich überbürdete Thätigkeit in mir das Bedenken, ob ich mich selbst mit ungetheilter Energie der Redaction derselben wurde hingeben können; denn es war vorauszusehen, daß die Ergänzung, eventuell auch die Umgestaltung des Werkes eine nicht unbedeutende Arbeitskraft beanspruchen würde. Ich übertrug die Herausgabe desshalb meinem Schüler, Hrn. Dr. Hans Bischoff, der durch seine künstlerische Tüchtigkeit sowohl, als die Art seiner akademischen Studien der Sache gewachsen war. Da die Aesthetik aber für mich nicht nur eine hervorragende kunstwissenschaftliche Leistung, sondern ein mir persönlich theures Vermächtniß ist, so habe ich mich wenigstens fortlaufend mit Hrn. Dr. Bischoff über die Art der an dem Werke vorzunehmenden Umarbeitung verständigt und so die Ueberzeugung <VI> gewonnen, dass die neuhinzugekommenen Artikel sich dem Geist des Ganzen eng anschliessen, einzelne Abweichungen von der ursprünglichen Form jedoch den praktischen Nutzen des Buches steigern dürften. Möge das Werk sich auch in seiner neuen Gestalt immer mehr und mehr Freunde gewinnen und in seiner für Klavierspiel und Klavierunterricht so anregenden Wirksamkeit unter der heranwachsenden Generation das Andenken an einen der Kunst nur zu früh entrissenen Musiker aufrechterhalten.

Berlin, 1876

Theodor Kullak.