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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 3

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Siebentes Kapitel. Von den willkührliche Manieren. Dies sind

  1. Veränderungen und Zusätze, wodurch ein Tonstück verschönert werden kann, die vom Spieler hinzugefügt werden.
  2. Verzierungen der Fermaten, nebst den Uebergängen denselben. <66>
  3. Die sogenannten verzierten Cadenzen.

Der Komponist schreibt diese Manieren auch wohl selbst aus. Die Anzahl ihrer Noten ist verschieden. Sind es wenige vor, einer Hauptnote stehende, so fallen sie in die Zeit derselben, z.B.

[Notenbeispiel S. 66, Nr. 1]

sind es viele, so stehen sie meist hinter einer Hauptnote und werden in die Zeit derselben mit eingerechnet. Die vom Spieler selbst erfundenen müssen dem Charakter des Stückes angemessen sein, und müssen im Ganzen mit Sparsamkeit angebracht werden. Es werden entweder Noten hinzugesetzt oder die vorhandenen verändert, und zwar geschieht dies bei der Wiederkehr derselben Stellen. Doch kann solche Wiederkehr auch durch andere Mittel Abwechselung erhalten, z.B. durch Stärke und Schwäche, Schleifen, Abstoßen und Tragen der Töne usw.

Aehnliches sagt der Verfasser über die Verzierungen der Fermaten und die sogenannten verzierten Cadenzen. Ueberall geht er auf Unterschiede ein und zählt Fälle und Arten auf, die er im Besonderen bespricht, wobei das Verdienst der Genauigkeit nicht abgeleugnet werden kann.