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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 10

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[Die Kapitel 5 bis 10 (Anfang) sind noch nicht erfaßt]

Zehntes Kapitel.

[...]

Die kombinirten Anschlagsarten.

<247> [...] Das bisher aufgestellte System der Mechanik hat die Grundformen aller der Bewegungen mitgetheilt, welche die für den gesammten Umfang der Klaviermusik nothwendigen Tonelemente erzeugen können, und damit ihre [seine] Hauptaufgabe erfüllt. - Die unendliche Vielheit aller aus diesen Formen möglicherweise sich entwickelnden Verbindungen vorzuführen, kann eben so wenig ihre [seine] Aufgabe sein, als es der Lehre vom Schönen auferlegt werden konnte, die unendliche Vielheit der einzelnen vorhandenen oder noch zu schaffenden Kunstwerke aufzuzählen.

Die Mannigfaltigkeit des technischen Lebens beruht, wie wir erkannt haben, nicht auf den Unterschieden, in welche ein einziges Prinzip sich auseinander legen kann, sondern auf mehreren Grundideen, deren jede für sich in eine große Vielheit der Erscheinungen übergeht. Es sind dies: das Figurenwesen, die Anschlagsgattungen, die Stärkegrade. - Schon ein ungefährer Ueberschlag über die <248> Möglichkeiten aller hieraus zusammentretenden Combinationen genügt, um den Quell technischen Lebens unversiegbar zu nennen; und nichts ist so, wie diese Reflexion, geeignet, die letzte Aufgabe der Mechanik in's gebührende Licht zu stellen.

Keine einzelne Form ist in ihrer Sonderheit Ziel der Handbildung, sondern nur die Vereinigung aller. Jede einzelne ist nur Zwischenglied oder Durchgangsepoche zu der letzten Aufgabe, welche in der vollkommen leichten, anschmiegsamen Weichheit der spielenden Glieder und Gelenke, in deren präcisem, innigen Anschluß an die vorgeschriebene Form besteht, und in jeder Gestalt Deutlichkeit und Schönheit aller Tonelemente erzielen muß.

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