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Kullak: Ästhetik des Klavierspiels - Kap. 15

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5. Auf dem realistischen Boden der Abwechslung steht das Prinzip, auch solchen Stücken, die ohne sonderliche Abstufungen der <328> Höhenlage sich mit einer egalen Tonbildung benügen könnten, durch das Crescendo und Diminuendo Leben und Wärme zu geben. Man denke z.B. an das Bach'sche Präludium [c-moll, "Wohltemper. Klavier" 1. Bd., BWV 847]

[Notenbeispiel S. 328, Nr. 1: J.S. Bach, Wohltemperiertes Klavier I, Präludium c-moll, BWV 847]

an viele Stellen im Finale des Italienischen Konzerts, sowie in Bach'schen Bourrées. Aehnliche Rücksichten werden für die Durchführungstheile mancher Sonatensätze, sowie für viele Fugen auf den Vortrag bestimmend wirken, insoweit sich weder aus der Steigerung der Tonhöhe, noch aus der Zahl der Stimmen anderweitige sichere Anhaltepunkte ergeben. So würde z.B. der erste Theil von Mendelssohns E-moll-Fuge bis zum G-dur-Abschluß ermüden, wenn der Spieler das Thema schablonenmäßig mit der bloßen Steigerung zum höchsten Ton vortrüge; es müssen Nüancen von weitergreifender Bedeutung hineingelegt werden, trotzdem keine einzelne bestimmte Stelle dieselben mit Nothwendigkeit erfordert.