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Mattheson: Der vollkommene Capellmeister

Teil 1, Kap. 5

[Das Kapitel 4 des ersten Teils ist noch nicht erfaßt.]

5. Vom Gebrauch der Musik im gemeinen Wesen. [§. 1-36]

<28> [...]

<32> §. 30. Wegen der bei hohen Trauerfällen so unbillig verbotenen Kirchen= und Hochzeits=Musiken sind zwar schon am andern Orte die politischen Reformations=Gründe angezeiget worden; sie haben sich aber seit dem gemehret, und ich will mir die Freiheit ausbitten, dieselbigen allhier kürtzlich zu summiren:

  1. GOttes Ehre leidet.
  2. der Wolstand desgleichen.
  3. Sirach [FN: 38,20, Deut. 34] redet nirgends von einem gantzen Trauer=Jahr, sondern nur von ein paar Tagen, nimt auch die Ursache bloß aus dem Wolstande, und setzt derselben gleich eine wichtigere entgegen. Aaron und Mose wurden 30 Tage beklaget.
  4. Die Kunst verlischet.
  5. Die Orgel=Wercke verderben.
  6. Man kan ja traurig genug musiciren: so wie die Glocken zu Leid und Freude dienen, es braucht deswegen keines Schweigens.
  7. Traurigkeit selbst erfordert Aufmunterung und Trost.
  8. Mehrentheils ist die Trauer zum Staat, eitel und erdichtet.
  9. Kein Mensch hat Nutzen davon.
  10. Die Musici verlieren an ihren Einkünfften und Übungen ein merckliches, und werden hernach desto untüchtiger.
  11. Den Hochzeitern ist es eine Tyranney: Sie sollen Freude haben; man beraubet sie aber dessen, was GOtt selbst Ihnen hertzlich gerne gönnet und gibt.
  12. Es läufft wieder den Gebrauch aller Völker.
  13. In hohen Fällen auch wieder die Ehrerbietigkeit, so man dem Nachfolger schuldig ist, über welchen man sich, wenn er gut ist, mehr Ursache zu freuen, als über den verstorbenen lange zu betrüben hat.

[...]