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Mattheson: Der vollkommene Capellmeister

Teil 2, Kap. 13 [Seite 5 von 41]

Cavata

<213> §. 17. Es gibt eine besondere Gattung der Melodien, die mit ihrem rechten Nahmen heißt:

III. Cavata, zu derselben gehören die

Eine solche Cavata nun ist ein Gesang mit [FN] Instrumenten, der keine solche Eintheilungen, dabey aber einen weitern Begriff hat, als die Arien, und mehr auf eine scharfsinnige Betrachtung, als einen starcken Affect siehet.

§. 18. Was oben §. 11 wegen der Leidenschafften erinnert worden, gilt auch hier, und es werden dieselbe weder vom Arioso noch von der Cavata ausgeschlossen; sie sind nur in diesen beiden Stücken nicht so ausnehmend, als in andern. Es kömmt hier bloß auf das mehr oder weniger an.

§. 19. Die Cavata will allemahl eine reiche Begleitung haben, und kan unmöglich in wenig Worten bestehen; ob sie gleich von Rechts wegen nur einen eintzigen Satz oder Paragraphum ausmachen sollte. Sie muß was ausnehmendes, nicht nur in demjenigen Umstande aufweisen, daß sie vom Recitativ, vom Arioso, und von einer Arie unterschieden ist; sondern auch darin daß sie sehr wol ausgearbeitet werde; welches sich hergegen bey einem kurtzen Arioso gantz anders verhält.

§. 20. Hieher gehören demnach solche Sätze, die weder den Bezirck noch die Eintheilung einer Aria haben, sich mit ihren Erwegungen weit über den gemeinen Recitativ erheben, und vielmehr, als ein Arioso, sagen wollen. Cavaten sind es, die wir in des unvergleichlichen Herrn Brockes irdischem Vergnügen p. 47. 59. 95. 97. 104 und 107. [FN: ...] lesen: lauter vortreffliche Gedancken und nach Wunsch gelungene Ausdrücke; Meister=Stücke, die alles übertreffen. Sie halten von 10 bis 14 oder 15 Zellen, und könnten zu rechten Madrigalen dienen, weil gemeiniglich der scharffsinnigste Ausspruch zuletzt kömmt.